Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1901)
- Date
- 1901-10-01
- Page
- Seite 235 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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235 man: Herr Kommerzienrat Ludwig Gerngroß, ein um das Wohl der Stadt wohlverdienter Mann, der ihr erst letzthin einen Prunkbrunnen gestiftet hat, ist zum Ehrenbürger ernannt worden. — Dem General - Direktor Kallin in Hamburg sind die Brillanten zum Kronnenorden 2. Klasse verliehen worden. — Das Stadtverordnete-Kollegium von Wiihlheim (Ruhr) bewilligte ein Darlehen von 60000 Mk. für die dortige Synagogengemeinde zum Bau einer neuen Synagoge. — In Berlin starb am 7. August Herr Leonhard Sachs, ein Sohn oott'Dr. Michael Sachs. Der Verstorbene war eine Reihe von Jahren Mitglied der Reprctsentantenversammlung. Liebe, Milde und Gerechtigkeit bildeten den Grundzug seines Wesens. — Am 13. August erreichte Herr Professor Solomon Indassohn, der als Musikpädagoge und Theoretiker gleichbedeutende Lehrer der Komposition am Leipziger Konservatorium das 70 Jahr seines Lebens. Ein geborener Breslauer, hat Judassohn vom Jahre 1850 ab in Leipzig seine künstlerische Heimat gefunden, wo es ihm an offizieller und sonstiger Anerkennung in reichem Maße nicht gefehlt hat. So ist Judassohn u. a. zum Dr. phil. seitens der Universität Leipzig ernannt worden, er erhielt den Professortitel u. s. w. Unter den mehr als 100 Werken, die der fleißigen Feder des Künstlers entsprossen sind, fehlen auch solche nicht, welche das Gebiet der synagogalen Musik berühren. Judassohns theoretische Werke, seine „Harmonielehre", „Kontrapunkt", „Kanon und Fuge", „Formenlehre", „Jnstrumentationslehre, sind in mehrere Sprachen übersetzt und namentlich in England beliebt. Möge es Hern Professor Judassohn noch lange beschieden sein, zu wirken und zu schaffen. — Nach jetzt bekannt gewordenen Ergebnissen der letzten Volkszählung wohnen in Köln unter insgesammt 372456 Einwohnern 9762 Juden (— 2,6 °/o gegen 7952 vor 5 Jahren. — Die Israelitisch-theologische Lehranstalt in Wien hat ihren achten Jahresbericht ausgegeben. Der Nachlaß des großen Hebraisten Osias H. Schorr ist nun definitiv an die Anstalt übergegangen, und 16 Hörer haben aus den Zinsen dieses Nachlasses ein Stipendium von je 600 Kronen erhalten. Für 11 Volksschullehrer, die den Religionslehrerkursus besuchen, hat der Vorstand der Wiener jüdischen Gemeinde Stipendien zu 400 Kronen bewilligt. An Subventionen gingen ferner ein: 10000 Kronen von der Regierung, 8000 Kronen von der Wiener Kultusgemeinde, 2000 Kronen vom Mährisch jüdischen Landesmassasonds, 1300 Kronen von der Prager Genleinde, 1260 Kronen von der bömischen Landerjudenschaft und 1000 Kronen von der jüdischen Gemeinde Lemberg. Dem Bericht hat der Rektor Professor Dr. Schwarz eine gelehrte Abhandlung vorausgeschickt: „Der hermeneutische Syllogismus in der talmudischen Literatur, ein Beitrag zur Geschichte der Logik im Morgenlande."