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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-07-01 · Heft 7 (1.7.1895) · p. Seite 150

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 7 (1.7.1895)
Date
1895-07-01
Page
Seite 150 (sequence 6)
Language
German
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150 II. Es ist klar, daß nach dem Gesagten unsere Beziehung zur Gesamtjndenheit nur eine religiöse sein kann. . Das Band, das alle Glieder des Hauses Juda auf dem Erdenrunde umschlingt, ist ein rein religiöses. Die wenigen jüdischnationalen Elemente, die in unserer Mitte hervortreten, haben nur eine geschichtliche Bedeutung Unsere Gedenktage weisen auf unsere Vergangenheit und wir würden den Zusammenhang mit unseren Glaubensbrüdern aufgeben, wollten wir uns unserer Vergangenheit entschlagen und uns blos als eine religiöse Gemeinde darstellen. Es muß hervorgehoben werden, wir sind nicht eine allgemein-religiöse Reformgemeinde, sondern eine jüdische Reformgemeinde. Wer seine Vergangenheit verleugnet , gefährdet auch seine Zukunft, die ja nur eine Folge des geschichtlich Gewordenen ist. Wir würden uns jeder Handhabe berauben, die Entwickelung -der Judenheit zu fördern, wollten wir von unserer Geschichte absehen. Ein anderes ist es, wenn es sich um das Religionsgesetz handelt. Hier lag die eigentliche Aufgabe der Reform, und sie hat, indem sie den Spuren der Wissenschaft des Judentums folgte, durch ihre Maßnahmen und ihre Einrichtungen an den Tag gelegt, daß die Erhaltung des Judentums auch ohne das Ceremonialgesetz gesichert ist. Das Bekenntnis des Einzig-Ewigen ist das Fundament unserer Religion, und das Sittengesetz der Bau, der sich auf diesem Fundament erhebt. Die Gottes- und Sittenlehre sind nach unserem Lehrer Samuel Holdheim Wesen und Inhalt der auf die Propheten und Psalmisten zurückgehendeu Reform. In dogmatischer und ethischer Beziehung erkennen wir keine Entwickelungsfähigkeit an, die Glaubens- und Sittenlehre ist in der heiligen Schrift für alle Zeiten vollendet dargelegt; eine Entwickelungsfühigkeit und darum auch eine thatsächliche Entwickelung haben wir nur auf dem Gebiete des Religionsgesetzes und des Kultus aufzuweisen, auf dem Gebiete der religiösen Erziehungsmittel und Erziehungsweisen. Wenn der Dichter von den drei Ringen sagt, der echte Ring vermutlich ging verloren, so dürfen wir freudig bekennen, wir haben ihn. wiedergefunden. „Gerechtigkeit und Recht, Liebe und Mitgefühl, der vertrauende Glaube, der uns den Herrn offenbart" — das ist uns der echte Ring, durch welchen der Vater mit uns einen ewigen Bund geschlossen. Der Sinairing erstrahlt uns wieder in ungetrübtem Glanze, dessen Kraft wir nicht mehr durch das Ceremonialgesetz, sondern durch Gesinnung und Liebesthat an den Tag legen wollen. Hier vernehmen wir einen doppelten Einwurf, von der einen Seite: warum bauet ihr da noch eine heilige Lade und stellet die Thora hinein, in welcher doch nicht blos die Lehre von Gott und das Sittengesetz verzeichnet steht, sondern auch das Cermonialgesetz? und von der anderen Seite: wenn ihr von jedem Formwesen absehet, warum schreibet ihr da noch die Thora auf eine Pergamentrolle,

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