Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1895)
- Date
- 1895-07-01
- Page
- Seite 149 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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149 doch Israels Stamm und Name ewiglich bestehen!" Gemach! Wie Jerusalem sich zur Welt erweitert, so Israel zur Menschheit. Die Erweiterung Israels zur Menschheit ist nicht eine Auflösung, sondern die Erfüllung. Mußte auch Israel im Vergleiche mit den Völkern des Altertums sich als ein „auserwähltes Volk" betrachten, so erkennt es jetzt in jedem Gottgläubigen einen Israeliten. Israel heißt nach einer sinnreichen Auslegung der mit Gott Verbundene. Jeder mit Gott Verbundene ist Israelit, die mit Gott verbundene Menschheit ist Israel. Der Neue Hiininel - offenbart der Welt nur einen Vater, die neue Erde zeigt uns die durch die Gotteskindschaft geeinigte Menschheit. Das Aufgehen in diesem Gottesreich ist die Erfüllung der israelitischen Bestimmung; man merke wohl, es ist kein Aufgehen in anderen Konfeffionen, die ja ebenfalls in der. Richtung zuni Gottesreiche hin sich entwickeln, bis sie in einer geläuterten Sprache des Ewigen Namen aurufen. Wer in der ewigen Menschheit aufgeht, lebt ewig in ihr; seinen Stamm und seinen Namen wahrt und ehrt itttb schützt sie treulich. Ahasver, der menschheitliche Israelit wird ewig leben, denn er ist ein Kind Gottes, er ist ein Sohn der Menschheit; sterblich dagegen ist Ahasver, der wavdernde nationale Jude, und wo er unter den Völkern ein palästinensischer Jude bleiben will, da wird er fortwährend einen Todeskampf bestehen, er kann nicht leben und nicht sterben. * Ob auch jene Zeit »och sehr ferne liegt, da der neue Himmel und die neueErde überall sichtbar sind — national gehen wir schon jetzt in den Völkern auf; wir haben keine nationale Bestimmung mehr, sondern gehören mit Gut und Blut dem Lande an, wo unsere Wiege gestanden. Vaterland und Muttersprache sind uns von nuferen Eltern als die teuersten Erbgüter übergeben, durch sie ist unsere Heimat bestimmt. Deutsche Denker und Dichter uttb Künstler sind auch unsere Erzieher und Bildner; Deutsche christlicher Koufession sind auch unsere Herzensfreunde, denen wir so anfrichtig und wohlwollend gegenüberstehen wie unseren Glaubensbrüdern; und des Vaterlandes Wohl ist auch uns oberstes Gesetz. Inwiefern ist in unserer Gemeinde das Gottesreich verwirklicht? Wir haben eine strenge Scheidung des Nationalen und Religiösen vollbracht; national gehen wir in unserem deutschen Vaterlande völlig auf, und religiös bieten wir in kleinem Kreise ein Bild jener Weltreligion, in welcher der Glaube an den einzigen Gott der ganzen Menschheit nicht als eines Volkes, sondern als Kinder Gottes den Grundgedanken und den Grundstein darstellt. Wenn wir sagen, das Gottesreich ist in unserer Gemeinde verwirklicht, so müssen wir dabei betonen nach Maßgabe der derzeitigen Zustände. Diese einschränkende Bemerkung führt »ns zum zweiten Teile unserer Betrachtung, der unser Verhältnis zur Gesamtjudenheit ins Auge zu fassen hat.