Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1885)
- Date
- 1885-10-01
- Page
- Seite 229 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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229 dortigen Rabbinen. Von Berlin kam Kaeinpf in die Schule Rabbi Akiba Eger's nach Posen und kehrte dann wieder nach Berlin zurück, woselbst er die Bekanntschaft eines jüdischen Gutsbesitzers aus Westfalen machte, der ihn mitnahm und ihn zum Informator in seinem Hause bestellte. Dort schrieb er eine Biographie Rabbi Akiba Eger's wie auch einige Novellen und Gedichte. Besonders hervorzuheben wäre eine hebr. Elegie auf diesen seinen Lehrer, in der sich schon der künftige große hebräische Stilist ankündigte. Dasselbe gilt in gleichem Grade von seinen deutschen Gedichten, unter denen stin patriotisches: „An die Söhne Deutschlands!", welches in einem westphälischen vielgelesenen Journale zuerst veröffentlicht wurde, sich besonders auszeichnet. Im Jahre 1840 bezog K. die Universität zu Halle a. S-, wo er unter Gesenius, Rödiger. Erdmann, Gruber, Leo, Dunker, Niemeier u. A. umfassende Studien machte, namentlich in Linguistik, Geschichte, Philosophie und Pädagogik. Während seiner Studienzeit in Halle hat er hin und wieder in der dortigen Synagoge gepredigt, und so sich für seinen künftigen eigentlichen Beruf praktisch vorbereitet. Auch hat er während dieser Zeit eine Reihe wissenschaftlicher Abhandlungen im Litteraturblatt des Orients veröffentlicht. Als Promotionsschrift gab er sein mit so vielem Beifall aufgenommenes Werk: „Die ersten Makamen aus dem Taehkemoni oder Divan des Charisi" heraus. Bald nach seiner Promotion wurde er nach Mecklenburg-Strelitz berufen, um an der dortigen Hauptschule die Leitung des Unterrichtes in der Religion zu übernehmen, und zugleich auch neben dem damaligen Landrabbiner als Prediger zu fungieren. Aus seiner dortigen Amtsperiode stammen noch zwei gedruckte Predigten, die eine: „Die Stützen des Gottesreiches", Konfirmationspredigt; die andere: „Die wahre Religion", Predigt gehalten am siebenten Peffachtage. Am Hüttenfeste des Jahres 1845 hielt er seine erste Gastpredigt im Prager Tempel und wurde darauf zum Nachfolger des sel. vr. Mich. Sachs, der damals nach Berlin berufen wurde, gewählt. Von dem Augenblicke an, wo er sein Amt antrat, bis zum heutigen Tage hat sich das Interesse an seinen Predigten zusehends gesteigert; ihm ist es gelungen, sich die Palme allseitiger Anerkennung zu erringen und das Interesse für seine Predigten dauernd wach zu erhalten, ja fort und fort zu erhöhen. Aber nicht bloß die Kanzel allein blieb die Stätte seiner anerkannten Wirksanikeit, auch auf dem Felde der Wissenschaft fuhr er fort, auf hervorragende Weise thätig zu sein. Schon im Jahre 1850 habilitirte er sich an der Universität zu Prag als Dozent' für die semitischen Sprachen und Litteraturen. Seine akademische Antrittsrede über die Bedeutung des Studiums der semitischen Sprachen, die er vor der Elite der Hauptstadt hielt, fand so großen Beifall, daß sie veröffentlicht werden mußte. Als Privatdozent wurde er wiederholt von seinen christlichen Kollegen als Vertreter in das Profefforkollegium gewählt. Im Jahre 1858 wurde er auf einstimmigen Antrag desselben, und auf Vorschlag des damaligen Unterrichtsministers Grafen Leo Thun, vom Kaiser zum Professor der semitischen Sprachen und Litteraturen ernannt, bald darauf erhielt er auch Sitz und Stimme im Professoreukollegium, und wenige Jahre darauf wurde er in seinem akademischen Lehramte von Sr. Maj. definitiv bestätigt. Außerdem wäre noch zu bemerken, daß Kaeinpf iin Jahre 1848 in die Repräsentanz gewählt war und da neben dem Rabbiner Rappoport sehr segensreich wirkte. Im Jahre 1850 wurde er von der Regierung als Vertrauensmann in die Notablenversammlung berufen, welche die Aufgabe hatte, eine Kultusordnung für