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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-10-01 · Heft 10 (1.10.1885) · p. Seite 228

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 10 (1.10.1885)
Date
1885-10-01
Page
Seite 228 (sequence 12)
Language
German
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—. 228 und dort, wo es an seinem Orte ist, in Anwendung bringen. Es ist so mit den Thaten des Lebens und so auch mit den Eigenschaften und Neigungen des Herzens. Saul verschont die Amalekiten, die geschworenen Feinde seines Volkes, die es bis zur letzten Spur vernichten wollen. Warum? er fühlt ein menschlich Erbarmen, er kann auch den Feind nicht leiden sehen. Derselbe Saul mordet aber schonungslos die frommen Priester von Nob hin, die die Gesetze Gottes lehren und den Dienst im Heiligtum verrichten. Warum? In seinem Herzen glüht die Rache gegen die friedlichen Männer, die dem flüchtenden David Brod zur Wegzehrung gegeben, es läßt ihn nicht ruhen, bis sie alle unter dem Schwerte seiner Schergen gefallen. Wo unbeugsame Strenge rötlicher erscheinen mußte, da war er nachsichtig und weichherzig; wo seine Gnade und Nachsicht das größte Unheil verhütet hätte, da war er hartherzig und unversöhnlich. So geht es, wenn unseren Eigenschaften die rechte Leitung fehlt und wo wir unsere Neigungen nicht dem Geiste der Weisheit, der Mäßigung, der Selbstbeherrschung unterordnen. Da werden auch die edleren Regungen des Herzens zum Bösen mißbraucht, da wird das Hassenswerte geliebt und begünstigt und das Fördernswerte unterdrückt und hintangesetzt. Eine Wohlthat und Unterstützung, am Unrechten Orte geübt, ist noch weit schlimmer als Strenge und Unterdrückung, durch die dem Bösen Einhalt gethan wird. Handeln wir daher mit Einsicht und Ueberlegung, lassen wir nicht von dunkeln Willentrieben uns leiten, von blinder Leidenschaft uns fortreißen, von der Laune des Augenblicks in unserem Thun uns bestimmen. Prüfen wir vielmehr unser Thun und Wollen, folgen wir dem Gebote der Vernunft, dem Gesetze der Wahrheit, dem Geiste der Gerechtigkeit, der Lehre des ewigen Gottes, auf daß Alles zu seiner Zeit und seiner rechten Bestimmung gemäß von uns vollführt werde und wir werden nicht irregehen, nicht auf finstere Abwege geraten, wir wandeln auf den Bahnen des Rechtes und der Tugend, ans den Pfaden des Heiles und des Friedens. Urof. Dr. S. I. Kaempf, k. k. Wegierungsralh. (Zum 24. September.) Am ersten Tage des bevorstehenden Hüttenfestes werden es 40 Jahre sein, seitdem Prof. Dr. Saul Jsaac Kaempf in der Prager Gemeinde zum ersten Male die Kanzel bestieg. Jndeni wir den Jubilar und seine Geineinde aus diesem Anlasse auf's herzlichste beglückwünschen, lassen wir hier nur einzelne biographische Daten aus dem Leben des verdienten Gelehrten und Predigers folgen. Kaempf tvnrde zu L i s s a am 6. Mai 1818 geboren. Er entstammt einer Familie, die reich an talmudischen Capacitäten mar und den Namen Peisern führte. Seinem Vater Aron Jakob widmete er zu dessen 70. Geburtstage eine hebräische Schrift „Mamtik Sod" und seiner Mutter Amalie Friederike, geb. Norden, (starb 1858) errichtete er in seinem trefflichen Werke »Zehn Makamen aus dem Divan des Charisi" ein Denkmal mit tief ergreifenden Worten. Schon als Knabe zeigte Kaempf ein seltenes Talent für die hebräische Sprache. Er besuchte in den Dreißiger Jahren in Berlin, wo sein Vater damals sich aufhielt, das Gymnasium und trieb nebstdem jiidisch-theologische Studien unter Anleitung der

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