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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-10-01 · Heft 10 (1.10.1885) · p. Seite 230

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 10 (1.10.1885)
Date
1885-10-01
Page
Seite 230 (sequence 14)
Language
German
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230 die Juden Böhmens zu entwerfen, in welcher Versammlung er eine hervorragender Stellung einnahm. Aus seinem häuslichen Leben sei noch erwähnt, daß er im Jahre 1847 sich mit Fräulein Franziska Meist (geb. 1828) aus Chrudim in Böhmen vermählte. Seine Frau ist eine Enkelin des um die böhmische Judenschast so hochverdienten Hermann Martinowes. Kommen wir nun zn seinen litterarischen Produkten. Kaempf ist auf dem Gebiete der jüdischen Litteratur ein fruchtbarer Schriftsteller. Wir nennen hier nur die wesentlichen Arbeiten, die aus seiner Feder geflossen und von denen einige im Litteraturblatte des Orients und in Frankel's Monatsschrift erschienen sind: Die ersten Makamen aus dem Tachkemoni des Charisi; Genealogisches und Chronologisches bezüglich der Patriarchen aus dem Hillel'schen Hause; Nichtandalusische Poesie andalusischer Dichter aus dem XI., XII. und XIII. Jahrhundert. Ein Beitrag zur Geschichte der Poesie des Mittelalters; üora« semiticae; Suleimann, drammatisches Gedicht; Die Inschrift auf dem Denkmal Mesa's, Königs von Moab; Geschichte der hebr. Sprache als lebende Sprache; Phönicische Epigraphik der Grabschrift Eschmunazars, Königs der Sidonier; Das israelitische Gebetbuch für alle Wochen-, Feier- und Festtage des Jahres mit einer neuen deutschen Uebersetzung; Festgebete der Israeliten nach deni geregelten Gottesdienste des Prager Tempels; Das Hohelied aus dem hebr. Originaltexte in's Deutsche übersetzt, sprachlich und sachlich erläutert und mit umfassender Einleitung versehen; Ueber die Vorstellung der alten Hebräer von der Unsterblichkeit der menschlichen Seele; Gedächtnisrede für den verewigten Rappaport; Beth Jacob, Gebetbuch für Israels Frauen und Mädchen für die öffentliche und häusliche Andacht. Kaempf ist der eigentliche Schöpfer der gegenwärtig üblichen Liturgie des Prager Tempels, natürlich unbeschadet der herkömmlichen hebräischen. Wie derselbe auf der Kanzel durch die Tiefe der Auffassung, Höhe der Anschauung, Klarheit der Darstellung und Lebendigkeit des Vortrages, verbunden mit einer wolthuenden Ursprünglichkeit und Wärme die in Masse herbeiströmenden Hörer wahrhaft fesselt und bezaubert, so, daß wer einmal von dieser Speise gekostet, bald wiederkehrt und ständiger Besucher des Gotteshauses wird, so tragen auch alle seine litterarischen Produkte das Gepräge der Gründlichkeit, Ursprünglichkeit, der tiefen Forschung wie der Selbstüberzeugung an der Stirn, wozu die logische Strenge, der Uebersichtlichkeit der Anordnung wie die Anmut der Darstellung hinzukömmt. Wir schließen, indem wir Einiges über die äußere Erscheinung Kaempf's mittheilen. Derselbe ist von gedrungenem, starkem Körperbau, fester Haltung, mit ausdrucksvollen Gesichtszügen, die wohl den ernsten, tiefen Denker bekunden, dem es aber keineswegs an Heiterkeit fehlt. In seinem Vortrage kommt hin und wieder, wenn die Situation es gestattet, ein sprudelnder Humor zum Vorschein. Möge es dem Jubilar noch viele Jahre vergönnt sein, seinem erhabenen Berufe, wie bisher in ungeschwächter Kraft und Fülle obznliegen! Seiner Gemeinde aber wünschen wir, daß es ihr beschieden sein möge, diesen hervorragenden Mann noch lange in ihrer Mitte zu erhalten und sich an den köstlichen Früchten seines Geistes und Gemütes zu erfreuen.

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