Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1927)
- Article
- Die israelitische Gemeinde Mainz in der Neuzeit
- Date
- 1927-12-01
- Page
- Seite 764 (sequence 8)
- Language
- German
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764 MENORAH Rabbiner Dr. Marcus Lehmann Auf Beschluß der Gemeinde Kastel verblieb Dr. Cahn, nach dem Amisaniritt Dr. Aubs, Rabbiner dieser Gemeinde. Daselbst wirkte mehr als ein halbes Jahrhundert Bernhard Cahn als Religionslehrer und Vorsänger. Memoiren desselben sind vor einigen Jahren von einer hiesigen Tageszeitung veröffentlicht worden. Die Religionsgemeinde Mainz-Kastel ist 1913 mit der hiesigen Gemeinde vereinigt worden. Die Feier des Abschieds von der alten Synagoge fand in der oberen Synagoge am \). März 1846 und in der großen am 23. März 1846 statt. Bei beiden Feierlichkeiten gedachte der Präses Mor. Reis durch Worte, die von tiefer Sachkenntnis zeugten, der Bedeutung der Stunde. Bei der Abschiedsfeier in der überfüllten, großen (304 Jahre? alten) Synagoge hielt im Auftrage des durch Unpäßlichkeit verhindert gewesenen Rabbiners Ellinger das frühere Vorstandsmitglied Samuel Bondi eine tiefergreifende Ansprache. Auf das im Februar 1851 erfolgte Ausschreiben liefen unter 13 Bewerbungen die des Dr. Adler in Kissingen und des Dr. Aub in Bayreuth ein; nur diese beiden sind in die engere Wahl gezogen worden. Nachdem Dr. Adler eine Probepredigl gehalten, beantragte der Vorstand, entgegen der vom Ausschuß kundgegebenen Ansicht, dessen dekrelmäßige Bestellung zum Rabbiner. Unter Abänderung einiger Vertragsbedingungen zugunsten des Dr. Cahn wurde Dr. Adler vom Großherzog ernannt. Dr. Adler trat vom Vertrage zurück, entschied sich für die Stelle in Cassel und begründete seinen Rücktritt mit der Änderung am Vertrage und mit den Differenzen zwischen Vorstand und Ausschuß in Hinsicht auf die Kompetenzen des Dr. Cahn. Mit Genehmigung des Ministeriums vom Juli 1852 wurde der Vertrag für den anzustellenden Rabbiner wieder dahin abgeändert, daß zur Vornahme der Konfirmation allein der erste Rabbiner kompetent sei. Der Vorstand setzte sich sodann mit Dr. Josef Aub in Bayreuth in Verbindung und nach seiner am 21. September 1852 dahier gehaltenen Predigt übertrug er ihm unter einmütiger Zustimmung des Ausschusses die Rnbbinerstelle. Die in der Interimssynagoge am 4. Dezember 1852 gehaltene Anlrittspredigt Aubs ist im Druck erschienen; in derselben erklärt er seine Zustimmung zur Orgeleinführung. Am Vorabend des 15. Adar IT 1853 fand die Einweihung der neuen Synagoge stall. Beim Morgengottesdienst predigte Rabbiner Dr. Cahn. Über die Feierlichkeiten bei der Einweihung und über die von Albert Mayer und Organist Staab komponierten Synagogegesänge ist in Salfeld: „Bilder aus der Vergangenheit der jüdischen Gemeinde Mainz" näheres berichtet. Wenn auch im Jahre 1853 das Gebetbuch des Rabbiners Aub, wegen des demselben beigefügten deutschen Textes und im Jahre 1857 Aubs Katechismus Angriffe im Vorstandskollegium erfuhren, so stellte sieh der Vorstand in seiner Mehrheit doch auf Seiten des Doktor Aub. Die Absicht des Vorstandes, eine Orgel in der neuen Synagoge einzuführen, stieß bei einem Teil der Gemeinde auf Widerspruch, der in beim Vorstand erhobenen Protesten i.nd bei der Regierung eingereichten Beschwerden zum Ausdruck kam. Bereits unterm 17. Februar 1848 wurde dem Vorstand vom Kreisrat aufgegeben, Baruch Scheuer und Konsorten motiviert abschläglich zu bedeuten. Am 1. März 1848 wurde die Abschrift eines Protestes mit im Februar eingeleiteter Unterschriftensammlung dem Vorstand übersandt. Die als vorläufig übersandte Abschrift enthält 71 Namen, der Prolest richtet sich gegen Orgel. Weglassung von Almemor und die Frauensynagoge abschließenden Fenstern oder Vorhängen. In einem Protest gegen die Anstellung des Dr. Aub wurde der Protest gegen die Orgel wiederholt und nach Einweihung der neuen Synagoge wurde um ein Belle kal nachgesucht. Der Vorstand vertrat den Standpunkt der Zulässigkeit der eingeführten