Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1927)
- Article
- Die israelitische Gemeinde Mainz in der Neuzeit
- Date
- 1927-12-01
- Page
- Seite 765 (sequence 9)
- Language
- German
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ISRAELITISCHE GEMEINDE IN DER NEUZEIT 765 Neuerungen und lehnte, um die Einheitlichkeit des Kultus zu erhallen, die Einräumung eines Betlokals ah. Dem Rabbiner Dr. Auh wurde anläßlich der Synagogeneinweihung von einem nichtjüdischen Verein (Mainzer Bürgermusiki ein Ständchen gebracht. Laut Protokollbuch ist im Januar 1859 an den Gemeindevorstand •eine Adresse von zirka 200 Gemeindemilgliedem für Dr. Auh und für „die Abwehr separatistischer Gelüste" gesandt worden. Im Jahre 1866 folgte Dr. Auh einem Rufe als Rahhiner in die Gemeinde Berlin. Die hierdurch, beziehungsweise durch den Amtsantritt Dr. Gahns als Erster Rabbiner freigewordene Religionslehrerstelle bekleideten in zeitlicher Folge Jos. Schauer und Dr. Jul. Fürst, die auch Dr. Gahn als Rabbiner und Prediger in Verhinderungsfällen vertraten. Als Dr. Gahn im Jahre 1880 in den Ruhestand trat, wurde aus einer großen Anzahl von Bewerbern Dr. Siegmund Salfeld aus Dessau zum Rabbiner gewählt. Er widmete sich neben seiner Tätigkeit als Rabbiner und Leiter der Religionsschule der Erforschung der Geschichte der deutschen Juden und besonders der unserer Gemeinde. Im Jahre 1918 trat Professor Salfeld in den Ruhesland; im Jahre 1926 segnete er das Zeitliche. Der bei Salfelds Rücktritt zu dessen Nachfolger berufene Rabbiner Dr. Sali Levi (bis dahin in Breslau), würdigte die Verdienste Salfelds um die Gemeinde bei der Leichenfeier. Die Gedenkreden, sowie die vom Heimgegangenen beim Abschiede von der alten und bei der Einweihung der neuen Synagoge gehaltenen Reden sind im Drucke erschienen. Von besonderen synagogalen Feiern, wie patriotische Veranstaltungen, Jubiläen von Beamten und Vorstandsmitgliedern der Gemeinde, seien nur der Gedächtnisfeier der ersten Wiederkehr des Jahrestages der Pulverexplosion (1857) und der Einweihung der auf Initiative des dermaligen Ersten Vorstehers erbauten Synagoge und der der Kriegergedenktal'el gedacht. Mit der Einweihung der neuen Gemeindesynagoge gründete eine Anzahl Gemeindeini 1glieder einen eigenen Gottesdienst, der bis zur Erbauung einer Synagoge in einem Privalhause stattfand. Die Einweihung dieser Synagoge erfolgte am 24. September 1856. Zu dieser Zeit standen an der Spitze fies von den erwähnten Gemeindemitgliedern gebildeten Vereines (zur Aufrechterhaltung des strenggläubigen Jurlenlumes in Mainz): Jonathan Mayer, Samuel Bondi, M. Teblee und Jakob Levy. Der Gemeindevorstand nahm die an ihn /{abbiner Prof. Dr. Sigmund Salfeld zur Einweihungsfeier gerichtete Einladung zu den Akten, der zu der am 26. Mai 1879 stattgehabten Einweihung der neuen, vergrößerten Synagoge leistete er Folge. Unterm 26. März 1857 suchte die Vereinigung unter Berufung auf die Vereins- und Versammlungsfreiheit und mit der Erklärung, ihrer Verpflichtung der allgemeinen israelitischen Rcliglonsgemeinde in Mainz gegenüber erfüllen zu wollen, um Korporationsrechte und Slatutengenehmigung nach. Dem Gesuche wurde im großen und ganzen entsprochen. An Stelle des beantragten Namens: „altisraelilksche Gemeinde'' wurde die Bezeichnung: „Israelitische Religionsgesellschaft'' gewählt, die Statuten im allgemeinen genehmigt, den Petenten ausdrücklich bemerkt, daß die Mitglieder des fraglichen Vereins ihre Beiträgt; zu den Umlagen der israelitischen Religionsgemeinde Mainz zu entrichten hätten, und unterm 1. Oktober 1858 Korporationsrechle (das ist die Rechtsfähigkeil auf Grund des Privatrechtes, nicht ein öflenllich-rechllicher Charakter) verliehen. Die Vereinigung machte also keinen Gebrauch von dem Gesetz über die Bildung neuer Religionsgemeinschaften vom 23. Februar 1850; ihre Mitglieder blieben nach wie vor mit allen Rechten und Pflichten Mitglieder der Mainzer Religionsgemeinde. Als solchen wurde den Mitgliedern, beziehungsweise dem Prediger der Religionsgesellschaft unterm 12. Juli