Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1927)
- Article
- Die israelitische Gemeinde Mainz in der Neuzeit
- Date
- 1927-12-01
- Page
- Seite 763 (sequence 7)
- Language
- German
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ISRAELITISCHE GEMEINDE IN DER NEUZEIT 763 Zirkular angeregte Zeitungsgründung ,,Dcr Judenfreund" und die von den größeren Gemeinden der Provinz beschlossene Anstellung eines israelitischen Obergeisllichen für die Provinz. Das Ministerium erklärte, auf die Gemeinden, die dieser Anstellung nicht beistimmen würden, könne kein Zwang ausgeübt werden und von einer Kostenühernahme auf die Staatskasse könne vorläufig keine Rede sein. Nachdem am 25. Tischri 5583 (1822) er- IVlgten Ableben des Oberrabbiners David Scheuer wurden Abraham Moch und Leon Ellinger zu Stellvertretern des Oberrabbiners ernannt. Der hochbetagte Abraham Moch starb am 14. Adar 5590 (1830). Rabbi Leon Ellinger versah alle Rabbinal»funktionell bis zu seinem am 9. Ab 5606 (1846) erfolgten Ableben. Die von dem 1835 zurückgetretenen Vorstand geplant gewesene Anstellung eines Predigers mußte laut Reskript der Regierung vom 9. September 1835 unterbleiben, solange der Rabbiner Ellinger in Amtstätigkeit sei. Bald darnach trat, wie erwähnt, der Vorstand zurück, die Nachfolger äußerten sich in einem Bericht an die Regierung unterm 28. April 1836 in höchst anerkennender Weise über die Amtsführung des Rabbi na tsver wesers und insbesondere auch über dessen jüngste Predigt. In einem Bericht vom 1. Juli 1838 äußert der Vorstand: ,, .. . Wir haben daher auch sogleich für die Anstellung eines tüchtigen Religionslehrers in der Person des Herrn Dr. Cahn gesorgt, damit die Jugend einen tüchtigen Religionsunterricht genieße, der vollkommen der Forderung der Zeit sowohl in religiöser, als sittlicher und moralischer Hinsicht entspreche und dessen Einfluß sich schon jetzt bemerkbar gemacht und die Anerkennung der ganzen Gemeinde (den Anonymus ausgenommen) gefunden hat. . . Wir glauben uns schmeicheln zu dürfen, daß wir nicht an der Spitze der Gemeinde stehen, um deren religiöses Glück zurückzudrängen, sondern unser ganzes Streben zielt dahin, mit dem Geist der Zeit, insoweit es die Religion erlaubt, gleichen Schritt zu halten und durch Mäßigung und Nachsicht alle Parteien zu befriedigen." Durch den Religionslehrer Dr. Elias Benedict Cahn wurde die Konfirmation eingeführt und am Samstag, den 11. Juli 1840, erstmals vorgenommen. Im Jahre 1841 wurde der in Hannover amtierende Rabbiner Dr. Frensdorf vom Vorstand gewählt und vom Großherzog als Rabbiner der hiesigen Gemeinde ernannt. Die Gemeinde Hannover hielt ihn zurück und Rabbiner Dr. Josef Aab dahier entsprach man seinem Wunsche, ihn von dem abgeschlossenen Verlrage zu entbinden. Sehr gerne hätLe sodann der Vorstand Rabbi Salonion Blessner — rede Plessner —. „ein Mann als Gelehrter von höchstem Rufe'* das hiesige Rabbinat übertragen. Aus den Akten geht nur hervor, daß er, wie in Frankfurt am Main, dahier in der großen Synagoge wiederholt gepredigt hat. Es ist anzunehmen, daß mündliche Verhandlungen geführt wurden und daß er zur Annahme des Rabbinats nicht zu bewegen war. Auf Empfehlung des Kreisrats hat der Vorstand, geäußerten Wünschen nachgebend. Dr. Cahn das Halten der Predigt am Kol Nidre 1843 gestattet. Nach dem Tode Ellingers wurde Cahn unterm Proteste des Vorstandsmitglieds Moritz Reiss zum Rabbinatsverweser ernannt. Auf Gesuch des Vorstands wurde ihm unterm 19. Dezember 1851 der Titel 2. Rabbiner dekretmäßig verliehen. Das Gesuch, auch nach Besetzung der Rabbinerstelle bei Trauungen und Leichenreden zu konkurrieren, wurde abgewiesen. Im Jahre 1844 wurde der Rabbinalssprengel Mainz mit den Kantonen Mainz, Niederolm und Ingelheim neu gebildet.