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Der Morgen · 1938-03-01 · Heft 12 (März 1938) · p. 512

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 12 (März 1938)
Article
Zionismus und Zionsliebe
Date
1938-03-01
Page
512 (sequence 3)
Language
German
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Ignaz Maybaum die Gegenwart angewandt kann es uns sagen, daß universalistische Gedankengänge des Judentums zu zionistischen nicht im Gegensatz zu stehen brauchen. Zionistische Gedankengänge beginnen nicht erst mit Herzl, und universalistische meinen nicht den europäischen Liberalismus allein. Zionismus und Universalismus gibt es im Judentum, seit es Juden gibt. Das Wort Gottes an Abraham enthält die Verheißung des Landes, „das Ich dir zeigen werde" und das Gebot „du sollst ein Segen sein". Zion und Mission sind schon hier zusammen. Das Wort Maleachis „Groß ist Gott weit über das Gebiet von Israel hinaus" ist Trost und Mahnung für den Zionisten. Der Aufbau Zions ist nur möglich aus dem Willen der Welt. Hier genügt nicht die Predigt vom humanen Nationalismus. Auch in Palästina ist der Jude nur das, was er überall unter den Völkern sein kann und muß — Knecht Gottes. Auch in Palästina ist unsere Mission keine politische. Auch in Palästina ist Lebensraum für uns zu gewinnen „nicht durch Heeresstärke und nicht durch Macht" (Secharja 4,6). Auch in Palästina darf und kann jeder Schritt nur auf Grund der Voraussetzungen getan werden, die in irgendeinem Diaspora-Land für die Entfaltung jüdischen Lebens gelten. Groß ist Gott weit über das Gebiet von Israel hinaus. Mit dieser Zuversicht auf den Herrn der Geschichte wagt der Jude, in der Welt Heimat zu suchen. Nicht als Eroberer und nicht als Bettler, sondern als Priester, an dem Adel der Erwählung und Demut des Dienens vereint sind, als Mensch, der zwar Brot sucht, aber auch dem Lande, das ihm Brot gibt, sein wilL was ihm verheißen ist: Segenbringer. Als Knecht Gottes klopft der Jude an die Türen der Weltvölker. Wer jenes Wort des Maleachi für wahr hält, bejaht die Möglichkeit jüdischer Existenz in der Welt. Aber dieser Glaube ist nicht eine für Palästina unzuständige Galuttheologie. Auch in Palästina haben wir nur dadurch Heimat, wodurch wir irgendwo in der Welt Heimat haben. Auch in Palästina können wir nur durch die Haltung Heimat bauen, die uns in irgendeinem Diaspora-Land gestattet, Fuß zu fassen und als Juden zu leben. Indem wir für Palästina- und Galutexistenz diese gleiche Grundlage feststellen, erweitern wir den Zionismus des 19. Jahrhunderts zum Zionismus des 20. Jahrhunderts. Das Ezechiel-Zitat „Uns ist das Land zum Besitz gegeben" (33,24) wurde im Zionismus des 19. Jahrhunderts verwendet, um eine jüdische Autochthonie zum Ausdruck zu bringen. Wie die Weltvölker in den Ländern ihrer Volksentstehung autochthon sind, so sei das jüdische Volk in Palästina eigenständig. Damit wurde ein Gedanke lebendig, der der ganzen bisherigen Geschichte des Judentums fremd war. Priestertum und Autochthonie widersprechen einander. Selbst in hellenistischer Zeit hatte das 512

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