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Der Morgen · 1937-02-01 · Heft 11 (Februar 1937) · p. 492

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 11 (Februar 1937)
Article
Die jüdische Betreuung der nicht-palästinensischen Auswanderung
Date
1937-02-01
Page
492 (sequence 5)
Language
German
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Ignaz Maybaum: Die jüdische Betreuung —... seinem Herzen hegte, und der, als sein Gott ihm die Verwirklichung dieser Hoffnung in den Möglichkeiten der politischen Geschichte gewährte, seine religiöse Erwartung an die geschichtliche Erfüllung nicht preisgab. Es ist jener Prophet, der in den Kapiteln 40—55 des Jesajabuches zu uns spricht. Dieser Prophet, dessen Namen wir nicht kennen, wie sehr auch seine Person deutlich vor uns steht, verband mit der Rückkehr des Volkes aus Babylon nach Palästina die höchste Hoffnung, die der Glaube überhaupt fassen kann: den Einzug Gottes in Jerusalem, die Theophanie, den Sabbat der Sabbate, das Ende aller irdischen Stückhaftigkeit und Ungerechtigkeit. Weil er diese kühne Hoffnung hegte, war seine Hoffnung echte jüdische Messiashoffnung. Aber diese Messiashoffnung erlebte ihre Bewährung, als das Edikt des Kyros die Heimkehr ermöglichte. Hätte er damals seine Hoffnung, als erfüllt durch den politischen Geschichtsvorgang, abgebrochen, so wäre er kein Lehrer des jüdischen Messianismus. Er brach seine Hoffnung nicht ab und zeigte den gleich ihm Hoffenden neue Wege, Tat um Tat von den hoffenden Herzen gestalten zu lassen, und zu seinen Reden, die von der Heimkehr gehandelt hatten, kam ein neuer Inhalt. Er redete von der Gottesknechtschaft Israels. In diesen Reden haben wir die Gedanken der jüdischen Mission vor uns. Der jüdische Missionsgedanke unterscheidet sich vom politischen Missionsgedanken — wir wollen nicht herrschen —, und unterscheidet sich vom kirchlichen Missionsgedanken — wir wollen die Gemeinschaft der Gläubigen nicht kirchlich organisieren. Was wollen wir? .Wir überblicken den ganzen Inhalt des Missionsgedankens, den die Knecht-Gottestexte aussprechen, wenn wir an den Abraham erteilten Auftrag „Du sollst ein Segen sein" erinnern. Der Prophet der Knecht-Gottestexte spricht zu den Weltvölkern und den fernen Eilanden. Der Weg Israels führt in die weite Welt. Sein Auftrag bleibt der an Abraham ergangene, und mit diesem Auftrag ist Israel verbunden. Immer und überall. Daß der Prophet der Knecht-Gottestexte diesen Auftrag neu erlebte, hängt mit dem Schicksal seiner Zeit zusammen. Wir wissen nicht, ob Kyros selbst in jenem die Rückkehr freigebenden Edikt die Zahl der Rückkehrer wegen der geringen wirtschaftlichen Möglichkeiten Jerusalems und Judas beschränkte oder ob der enge Raum schon von sich aus, also ohne politische Anordnung, die Rückkehr regulierte. Wir wissen auch nicht, ob der Prophet selbst unter den Rückkehrern war und dann wieder nach Babylon zurückkam oder ob er solchen nichtgelungenen Versuch, in Palästina wieder Wurzel zu fassen, an andern Zeitgenossen erlebte. Wir wissen genug. Seine Zeit, die das Edikt des Kyros erlebte, erlebte die Verwirklichung der nach Palästina blickenden Hoffnung, eine Verwirklichung im politisch Mög- 492

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