Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 11 (Februar 1937)
- Article
- Die jüdische Betreuung der nicht-palästinensischen Auswanderung
- Date
- 1937-02-01
- Page
- 493 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Fritz Benjamin: Alexandrien oder das Tor in die Welt liehen. Damit ist mit der nie aus den Augen zu verlierenden, großen Bedeutung der Rückkehr nach Palästina auch die Begrenzung angezeigt. Die Geschichte ist der Raum der messianischen Erfüllung. Aber auch das große und glückliche Geschichtsereignis — Edikt des Kyros, Balfour-Deklaration — fordert vom Juden weiter die messianische Haltung. Die messianische Hoffnung und das daraus entspringende Tun begrenzt sich nicht im politisch Möglichen. Die messianische Hoffnung erschöpft sich durch kein politisches Projekt, sondern betrifft den auf alles Politische, alles Natürliche und alles Geistige gehenden Auftrag, Mittel des kommenden Gottesreiches zu sein. Als den Raum dieses Gottesreiches sieht unser Prophet, er, der die Hoffnung auf das Kommen des Gottesreiches im engsten Zusammenhang mit Palästina sein Herz hatte treffen lassen, die Welt. Er orientiert sich ganz an Jeremia, der sich als „Prophet für die Welt" (Jer. 1,5) begriffen hatte. Indem diese Weltzugewandtheit des jüdischen Glaubens durch die nichtpalästinensische Auswanderung wieder Gegenstand unserer Glaubensüberlegungen wird, bleibt die zionistische Auseinandersetzung mit der jüdischen Missionsidee durchaus wertvoll. Wo der Zionismus getadelt hat, daß wir unsere besten Köpfe und unsere hingebenste Arbeit den Völkern gegeben haben, befindet er sich im Widerspruch mit dem Gottesbefehl: „Du sollst ein Segen sein." Fragt der Zionismus aber, ob diese Menschen als Juden im Dienste der Völker standen, so besteht seine Frage zu Recht. Wir dürfen nicht zu den Völkern überlaufen. Wir sollen den Völkern dienen, aber Juden bleiben. Fritz Benjamin: Alexandrien oderdasTorin dieWelt An einem sonnigen Wintertage, dessen lichte Mittagswärme neblig vom glatten Meere zum blaßblauen Himmel steigt, nähern wir uns der Küste. Reinlich scheidet sich am Horizont das Trockene von den Wassern, und langsam schöpft sich uns das Land entgegen. Da redet aus unserer Mitte einer so vor sich hin: „Komisches Land det, nich 'n bisken Wald!" — Mißbilligend schüttelt er den blanken Schädel, läßt das Trieder auf den Bauch fallen und heischt unsere Zustimmung in der Runde. Ich versichere aber, daß er den Nagel auf den Kopf getroffen hat; denn Afrika sieht genau so aus, wie du und ich es sich vorgestellt haben: auf gelbem Sandstreifen ein paar hochstämmige Palmen, die mit mageren Wedeln in die Luft greifen. Wir wollen es uns merken, wie einer von den Kindern Israel das altvertraute Ägypterland nach zweitausendjähriger Abwesenheit nicht wiedererkannte und in schlichter Weise dagegen protestierte. 493