Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 11 (Februar 1937)
- Article
- Die jüdische Betreuung der nicht-palästinensischen Auswanderung
- Date
- 1937-02-01
- Page
- 491 (sequence 4)
- Language
- German
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Die jüdische Betreuung der nichtpalästinensischen Auswanderung Jakob ihm wiederzubringen, und daß Israel zu ihm sich sammle . . . Zu wenig isfs, daß Du mir Knecht seist, Jakobs Stämme aufzurichten und die Bewahrten Israels wiederzubringen. Ich mache dich zum Licht der Völker, damit meine Freiheit werde bis ans Ende der Welt." Wird dieses „Zu wenig" unseres Propheten, das die Rückkehr nach Palästina keineswegs bagatellisiert, aber auch nicht als den einzigen jüdischen Weg ansieht, von Juden vertreten? Es gibt Rabbiner, die an diesem „Zu wenig"' vorübergehen. Diese Rabbiner sind keine Protestrabbiner. Sie sind die Fraktionsrabbiner, die die Predigt, die sie von der Kanzel aus halten, ebenso in der Fraktion ihrer Partei vortragen könnten. Wir besitzen natürlich auch Rabbiner, die dieses „Zu wenig" auf der Kanzel vertreten. Aber in der jüdischen Öffentlichkeit kommt dieses „Zu wenig" kaum zur Geltung. Bei den Tagungen der Jewish Agency, bei den offiziellen Vorstandssitzungen der Großgemeinden wird der zionistische Mitarbeiter dadurch bei guter Laune gehalten, daß man sich vor dem verbeugt, was die jüdische Stärke des Zionismus ist. In der Tat haben manche liberale Führer viel nachzuholen. So kommt es, daß das „Zu wenig" dem Zionismus nicht entgegengehalten wird, und so geschieht es, daß eine echt jüdische Bewegung, die der Zionismus im Kerne ist, durch ihre Verselbständigung, durch ihre Loslösung aus dem Gesamtrahmen des Judentums sich jüdischen Aufgaben, die die Stunde stellt, nicht gewachsen zeigt. Der Zionismus besitzt Organisationserfahrungen, verfügt über Verbindungen, hat Menschen genug in seinen Reinen, um an der jüdischen Betreuung der Überseeauswanderung mitzuarbeiten. Die Hemmungen, die ihn von dieser Mitarbeit zurückhalten, stammen aus einer Ideologie, die die hier vorliegende Arbeit als jüdische nicht gelten läßt. Aber sie ist eine jüdische Aufgabe. Diese jüdische Aufgabe, die im Zusammenhang mit der nichtpalästinensischen Auswanderung die zu beschäftigen hat, die heute die jüdische Lehre als Aufruf und Trost in die Realität unseres Lebens hineinzustellen versuchen, betrifft eine vergessene Angelegenheit: die jüdische Missionsidee. Der Zionismus hat die Missionsidee des Judentums in Grund und Boden kritisiert. Die Kritik war berechtigt, wo diese Missionsidee ihren religiösen Kern verloren hatte. Die Kritik aber, die den jüdischen Missionsgedanken überhaupt nicht im Zusammenhang mit dem Judentum begriff, hat ein wichtiges Lehrstück des jüdischen Glaubens aus dem Raum der Verwirklichung entfernt. Aber die Zeit drängt, wieder an das Vergessene zu erinnern. Denn unsere Zeit ähnelt der jenes Propheten, der ein ganzes Leben lang die Hoffnung auf die Rückkehr aus dem babylonischen Exil nach Palästina in 491