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Der Morgen · 1937-01-01 · Heft 10 (Januar 1937) · p. 471

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 10 (Januar 1937)
Article
Alfred Mombert
Date
1937-01-01
Page
471 (sequence 5)
Language
German
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Alfred Mombert In Deutschlands Tälern, in Deutschlands Hainen lobsingt die Nachtigall flügelnd von Zweig zu Zweig. Und dann kommen die Stimmen von überall her aus der „warmen gütigen deutschen Erde": Der Waldpfad im Harz hat die beiden Liebenden gesehen und das alte Städtlein in Franken; der Berg Hohenstaufen in Schwaben weiß von ihnen und das alte Gasthaus im Erzgebirge mit seinen schweren Türen, endlosen Korridoren, verlassenen Kaminen. Die Madonna in der Kapelle des Taubergrundes sah sie und der Felsgeist im Fichtelgebirge. Aber am meisten weiß doch die alte Linde auf dem Heidelberger Schloß — Mombert die vertrauteste von allen: Einem schönen Lande zugehörig ganz bin ich tief verwurzelt meiner guten Erde herber Säfte reich im schwarzen Efeugrunde. Es folgt ein Abschiedslied an das deutsche Land; dann eine sprühende, glühende, funkelnde Schilderung Venedigs. Wie wunderbar ist die Nacht auf der Griecheninsel Kythera: „Stille. Sterngefunkel. Alles schläft." Und dann das Erwachen: Auf — springt das Tor des Archipelagos! Morgenglühend leuchten hohe Pfeiler — droben in wehenden Blumenguirlanden der Simse feiern Nachtigallenchöre schmetternd Sfairas Einzug in das Inselmeer. Und wie ganz und gar ist Momberts Phantasie und Sprachmacht in den Zeilen, die die Einfahrt des Genius in den Hellespont schildern: Hinter ihm her auf Wellen eilt eine Göttin, nachzubringen ihm den Strauß aus Mondstrahlen als ein letzter Gruß des Abendlandes. Aber entgegen kommt ihm jetzt flügelnd ein Drache, bietend dar die hellaufglänzende Krone Asiens: das Willkommen des Morgenlandes. Und selig erklingt der Zwiegesang jener Zwei: Horch, in Tälertiefen seine Flöte bläst schon der Hirt am Baches Rand — Hari, meiner Liebe ein Pfand: Nimm die Morgenröte! Radha, meine Himmelsgefährtin: Nimm die Erde! Das Dezemberheft enthielt u. a.: Arthur Prinz, Thesen zur Wanderungsfrage Eduard Strauß, Des Lehrhaus / M. Y. ben Gavriel, Engländer und luden in Palästina / Ilse Blumenihal-Weiß, Warum? Im Februarhefi schreiben u. a.: Leo Baeck, Europa / Heinrich Lemle, Vernachlässigung aus Armut? | Ignaz Maybaum, Die jüdische Bedeutung der U eberseewanderung 471

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