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Der Morgen · 1936-06-01 · Heft 3 (Juni 1936) · p. 106

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Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 3 (Juni 1936)
Article
Organisation der Diaspora
Date
1936-06-01
Page
106 (sequence 6)
Language
German
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Ignaz Maybaum eine Geschichte allerdings, die sich dem Erdboden Palästinas deutlich sichtbar eingeprägt hat. Aber diese Geschichte wandert mit uns, wohin wir auch gehen. Wo diese Geschichte mit uns wandert, wo diese Geschichte in unseren Herzen und in unseren Köpfen ist, da hat die Verheißung Gültigkeit, die lautet: „Ich wohne in der Mitte der Kinder Israel und will mein Volk Israel nicht verlassen" (II. Kön., 5, 13). Niemand hat das Recht zu sagen: Nur in Erez Israel kann man jüdisch leben. Niemand hat das Recht, so zu sprechen, wie sehr uns das dort sich bildende jüdische Gemeinwesen am Herzen liegt, uns als Juden am Herzen liegen muß. Aber wo wir die Geschichte begreifen, durch die das Volk Israel in Wahrheit Volk Israel ist, da leben wir jüdisch: in der Diaspora nicht weniger als in Erez Israel, in Erez Israel nicht mehr als in der Diaspora. So treten wir der Geschichte gegenüber, die das Judentum Deutschlands von Mendelssohn bis heute durchlaufen hat. Gibt diese Geschichte die Möglichkeit, die Aufgabe der Stunde zu lösen? Diese Aufgabe verlangt, die Diaspora, die jetzt vor unsern Augen entsteht, zu organisieren. Das Judentum Deutschlands war bis jetzt die am besten durchorganisierte Einheit, die das Judentum überhaupt besaß. Nichts redet so sehr an der Wirklichkeit vorbei wie die Behauptung des zionistischen Agitators, es gelte aus dem amorphen Judentum Deutschlands durch die jüdisch-nationale Idee eine Gemeinschaft zu schaffen. Die Einheit des Ostjudentums ist, verglichen mit der des Judentums in Deutschland, nur eine organische. Dieses „Nur" wird der heutige Zionismus nicht verstehen, der den Vorzug des in Palästina entstehenden Gemeinwesens gerade darin sieht, daß sich dort ein organisches Volkstum bilden kann. Aber organische Gemeinschaft ist eine ungeschichtliche. Geschichtliche Gemeinschaft ist gekennzeichnet durch die Wachheit. Der Romantiker mag alles Organisieren als Eingriff in da-s Walten und Weben der Natur verneinen, — die geschichtliche Sphäre als wache, als Sphäre der Bewußtheit, ist. die Sphäre der Organisation. Die Einheit des Judentums in Deutschland besaß diese Wachheit, durch die es als Gemeinschaft sich bewußt werden und "durch die es von Mendelssohn bis Herzl zum Ausgangspunkt aller geschichtlichen Kräfte werden konnte; die Führung im Zionismus ist sehr rasch von Österreich auf Deutschland übergegangen. Diese Einheit zerfällt jetzt in eine Diaspora, und so kann von dem aus dieser geschichtlichen Einheit hervorgehenden Judentum die Aufgabe begriffen werden, die so weder das Ostjudentum noch das übrige Westjudentum verstehen kann: die der Organisation der Diaspora. Es handelt sich natürlich nicht darum, die jetzt überallhin ausströmenden Teile des Judentums aus Deutschland als solche 106

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