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Der Morgen · 1934-11-01 · Heft 8 (November 1934) · p. 369

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 8 (November 1934)
Article
Karl Joel
Date
1934-11-01
Page
369 (sequence 4)
Language
German
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Karl Joel sollten — zu einer „organischen Logik", einer „organischen Ethik", einer „organischen Ästhetik" —, konnten nicht mehr in Angriff genommen werden. Wie Joels Historie der Philosophie aus systematisch-philosophischen Motiven gespeist ist, so steht hinter beidem das Interesse des Lebens. Philosophie ist Joel niemals eine Angelegenheit der nur wissenschaftlichen Forschung, des bloßen Erkennens im Sinne eines abseits vom Leben vor sich Gehenden gewesen. „Eine neue Weltanschauung ist immer nur mit der Gesamtheit der Seelenkräfte zu erringen", heißt es in der Vorrede zur zweiten Auflage des „Ursprungs der Naturphilosophie aus dem Geiste der Mystik" von igaÖ. Und die „Verlebendigung der Wissenschaft" — nicht nur der Philosophie, sondern der Wissenschaft überhaupt — war schon ein Thema von Joels HabililationsVorlesung über „Die Zukunft der Philosophie" von 1893 wie der Rektoratsrede von 1914 über „Die philosophische Krisis der Gegenwart" und noch einmal des Vortrags auf der Versammlung der Kantgesellschaft 1927 in Halle über „Die Überwindung des neunzehnten Jahrhunderts im Denken der Gegenwart". Joel hat freilich nicht weniger die gegenteilige Gefahr gesehen: daß die Philosophie sich und die Wissenschaft so sehr „verlebendige", daß sie beide dem Leben zum Opfer bringe. Der kleine Aufsatz über „Die lebendige Philosophie" von 1924 betont vor allem diese Gefahr, daß dionysisches Chaos den formenden Geist verschlinge, wogende Leidenschaft über alle Masse hinwegbrause und und die Entfesselung des ungezügelten und dann zuchtlosen Lebens von einer einseitigen Philosophie des Lebens selber gefordert werde. Demgegenüber hat er, wie auf die Mechanisierung hin nach neuer Romantik, so auf diese hin nach neuer Klassik gerufen: der Synthese von Eros und Logos, wie Piaton sie repräsentiert habe. Weder Aufklärung noch Mystik, sondern platonisch-goethisch-schellingsche Klassik sei auch für uns die Aufgabe. Dennoch konnte Joel das Bewußtsein haben, daß er „wohl mehr als andere Fachgenossen außerhalb der Schulzusammenhänge seinen geistigen Weg zu suchen hatte, der daher auf einer philosophischen Landkarte der Gegenwart nicht so leicht einzuregistrieren wäre", wie Joel die kleine Autobiographie in dem Sammelwerk „Die Philosophie der Gegenwart in Selbstdarstellungen" von 1920 beginnt. So sehr er zugleich _.,Fachmann" war, zumal für die Geschichte der Philosophie — und für die der Antike Das September/Oktober-Heft erschien als Sonderheft „Zur religiösen Frage", raü Beiträgen von Margarete Susman, Ludwig Feuchrwanger Max Dienemann, Leo Hirsch, Ernst Simon u. a. m. Im DezemberheÖ schreiben u. a. Rudolf Levy: Wanderungsziele der sephardischen Emigranten / Ludwig Strauß: Heine und der Mythos /LB.: Schicksal in Zahlen / Hanns Reißner: Lob des Kaufmanns. 369

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