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Der Morgen · 1934-11-01 · Heft 8 (November 1934) · p. 370

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Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 8 (November 1934)
Article
Karl Joel
Date
1934-11-01
Page
370 (sequence 5)
Language
German
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Herman Schmalenbach: Karl Joel sogar auch als Philologe —, so ist doch in besonderem Grade charakteristisch für ihn, daß er stärkere, auch persönliche Verbindung mit den Schriftstellern des weitesten Umkreises und deren Führern, den Dichtern hielt. Dichterisch beschwingt, liebte Joel auch die eigene, sowohl die gesprochene wie die geschriebene Rede, selbst in seinen gelehrtesten Werken. Und die Leser seiner Bücher und Aufsätze, die Hörer seiner Vorträge, die zahllosen Freunde, die er sich durch ein reiches Geflecht persönlicher Verbindungen allenthalben erworben hatte, gehörten der Geistigkeit im weitesten Umfang an. Auch als akademischer Lehrer hat Joel nicht sowohl die Begründung einer „Schule" als die geistige Weckung und Bildung im allgemeinsten Sinn als seine Aufgabe gesehen und hat sich in den über vier Jahrzehnten seiner Basler Lehrtätigkeit, während deren seine Vorlesungen zu den besuchtesten der Universität gehörten, die dankbare Verehrung ganzer Generationen von Studenten gewonnen. Namentlich in Basel war denn auch die Wertschätzung allgemein. Nach dem anfänglichen Zögern hat er die alte Stadt und ihre alte Kultur, wo man die liebevolle Pflege der Tradition mit europäischer Weite und Offenheit für alles Neue verbindet, bald als seine zweite Heimat zu fühlen begonnen. Und er ist in Basel für das gesamte geistige Leben auch außerhalb der Universität eines der wichtigsten Zentren geworden. Sein gastliches Haus sah bis in seine letzten Wochen fast täglich Besucher; hier traf die Elite der Einheimischen mit den bedeutendsten Fremden aus allen Ländern zusammen. Die allgemeine Verehrung gehörte in gleichem Maße wie dem großen Gelehrten und dem vielseitig gebildeten, stets angeregten und anregenden Geiste dem bedingungslos lauteren Charakter und der tiefen, gütigen Menschlichkeit Joels. Bis in seine letzten Tage trieb die Not der Zeit Hilfsbedürftige in sein Haus, und er half, wo er konnte, oder suchte Rat, wo Hilfe zu erlangen sei. Daß auch die konservativen Kreise der Stadt sich dem aus der Ferne gekommenen Juden öffneten, beruhte auf der genauesten Kenntnis des Mannes, der sich Jahrzehnte hindurch immer wieder bewährte. Das Festhalten am Judentum war Joel ebenso selbstverständlich, wie er trotz tiefster Verbundenheit mit Basel die schweizer Staatsangehörigkeit nicht erworben, die deutsche niemals aufgegeben hat. Die allgemeine Verehrung kam zu besonderem Ausdruck an Joels siebzigstem Geburtstage, den er am 27. März dieses Jahres in Lugano feierte. Unzählige Glückwünsche aus allen Gegenden der Welt gingen ihm zu. Eine Deputation der Fakultät, geführt von dem Dekan, brachte den Dank der Behörden und der Universität. Eine durch die Munifizenz begüterter Freunde ermöglichte Festschrift mit Beiträgen von H. Barth, A. Baumgarten, J. Cohn, H. Gauss, E. Grisebach, K. Groos, P. Häberlin, E. Hoffmann, E. Howald, Ed. Landmann, F. Medicus, H. Schmalenbach, J. Stenzel, A. Tumarkin wurde überreicht Joel hat sich über die Ehrung gefreut. Das kurze letzte Sommersemester, das noch folgte, war von dem Glanz des Tages von Lugano überstrahlt. 370

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