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Der Morgen · 1934-11-01 · Heft 8 (November 1934) · p. 368

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Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 8 (November 1934)
Article
Karl Joel
Date
1934-11-01
Page
368 (sequence 3)
Language
German
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Herman Schwalenbach sei: „keimend aus dem inneren Zentrum, sich gliedernd zu seUbständigen Formen und sich entfaltend ins Unbegrenzte, aus dem es doch selber erwachsen ist, das Größte im Kleinsten, das Ziel im Keim enthaltend." Darin seien Seele und Leib, Geist und Stoff nicht mehr absolute, nur noch relative Gegensätze. Das organische Prinzip gestalte in Stufen, und für die je höhere Stufe sei die je niedere Stoff, für die je niedere die je höhere Geist, für die höchste aber sei alles Stoff und dieser eigentlich nur der Name für das allgemeine Prinzip der Zerstreuung, dem das der Gestalt, der geistigen Form gegenüberstehe. Ihren Namen entnimmt diese organizistische Weltanschauung dem Bereich der Natur, und so wäre ihre nähere Durchführung wohl auf die Weise der Naturphilosophie zu erwarten gewesen, wozu auch das Vorbild Schellings hätte locken können. Doch schon der „deutsche Idealismus" hatte fast noch mehr in der geistig-geschichtlichen Welt gelebt, und für Joel ist vollends die geistig-geschichtliche Welt der ihm zugänglichere Repräsentant für die Gesamtheit des Seienden gewesen. So kehrte Joel, nachdem er die Grundzüge seiner Weltanschauung umrissen hatte, zu historischen Arbeiten zurück, um aber auch damit seiner alles umfassenden Weltanschauung Ausdruck zu geben. Schon in seiner Frühzeit hatte Joel mit einem historisch eingeschränkten Begriff der schließlich weltweit gefaßten Romantik das Organische gemeint, zugleich mit dem Wissen, daß sie nur der, freilich auch selbst schon organische, Mutterschoß alles Organischen sei und daß aus ihr die Klassik als der eigentliche Organismus hervorgehen müsse. Als solche organische Klassik ist Joel an erster Stelle diei seit der Jugend und immer wieder geliebte Antike erschienen, und als den Weg von Romantik zu Klassik wollte dann die „Geschichte der antiken Philosophie" diese begreifen, deren erster zunächst erschienener Band bis Sokrates geht (1921). In die Vollendung des Werkes hatte sich die Auffassung der gesamten Weltgeschichte (und in ihr besonders der Philosophiegeschichte) als eines großen organischen Gesamtlebens hineingeschoben. Geschichtsphilosophische Arbeiten, darunter die Abhandlung über „Jakob Burckhardt als Geschichtsphilosoph" (zuerst 1910 in der Festschrift zum 45ojährigen Jubiläum der Universität Basel, dann 1918 veröffentlicht), bereiteten das große Werk über „Die Wandlungen der Weltanschauung" vor, das ebensosehr und in eins eine Geschichte der Philosophie wie eine Philosophie der Geschichte ist und sein will. Der säkulare Rhythmus von Bindung und Lösung, den Joel in allen weltgeschichtlichen Abläufen zu erkennen glaubte, der je in einem Jahrhundert sich vollziehende Weg jeder Klassik zu ihrer Erstarrung und Mechanisierung, dann die Auflösung in jedoch fruchtbar werdende Romantik und aus ihr die Geburt neuer Klassik, die aber immer wieder dem gleichen Schicksal verfalle: dies soll die Form des organischen Lebens in der Historie sein. Das monumentale Werk ist von Joel in den allerletzten Wochen gerade noch zum Abschluß gebracht worden. Der zweite Band der Geschichte der antiken Philosophie sowie weitere Pläne, die Joel auch noch einmal über die Historie hinausführen 368

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