Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 6-7 (September 1934)
- Article
- Ismar Elbogen zum 60. Geburtstag
- Date
- 1934-09-01
- Page
- 274 (sequence 4)
- Language
- German
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Emanuel bin Gorion: Ismar Elbogen zum 60. Geburtstag sechzig Jahre vollendet- Die jetzige Feier wird stiller sein und beschattet bleiben von dem Ernst der Zeit, aber sie wird um so besinnlicher sein und wohl auch inhaltsreicher. Ein Jahrzehnt der Arbeit ist ihm vergangen, die Arbeit wurde und wird immer mehr und mehr zur Wirksamkeit. Daß sie das aber werden kann, ist durch die Person bedingt. Er hat Humor genug, um zu wissen, daß der Gelehrtendünkel und die hochmütige Abgeschiedenheit des Klausners in unsere Zeit nicht passen. Er hat sich nie für zu gut gehalten, Rat und Auskunft zu geben an Wohl- und Übelwollende. Leutselig und zugänglich leiht er sein Ohr auch privaten und kleinen Sorgen des Alltags, und unvermerkt entsteht daraus oft ein über den Alltag Hinausgehendes. Als vor ein paar Jahren der hebräische Klub in Berlin dem Schriftsteller S. A. Horodezky einen Ehrenabend gab, überraschte Elbogen die Anwesenden durch eine vom Geist der Freundschaft getragene Rede in hebräischer Sprache. Alle Gruppen respektieren seine Haltung, denn seine Objektivität ist keine Neutralität; er kennt kein Ansehen der Person und kein Ansehen der Partei. Macht man den Festtag des Einzelnen zum Tage der Einkehr für Viele, so darf man auch in trüben Tagen Jubiläen feiern, und auch der Gefeierte wird dagegen nichts einzuwenden haben. Elbogen hat das Banner der Wissenschaft in einer Zeit festgehalten, die, äußerlich glücklicher als die heutige, den Anwalt des geistigen Judentums oft verzweifeln ließ. Möge ihm beschieden sein, es weit in die Zeit hineinzutragen, von der wir hoffen, daß sie die innere Erneuerung bringt. Emanuel bin Gorion. ♦ Die „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland' widmet ihrem leitenden Herausgeber ein Sonderheft, in dem Fachkollegen, Schüler und Freunde sich zur Ehrung des Jubilars zusammenfinden. Selma Stern-Täubler schreibt über die Juden in der Handelspolitik Friedrich Wilhelms I. von Preußen, Max Freudenthal über die Geschichte der schwedischen Juden; Adolf Kober veröffentlicht eine zweisprachige Urkunde von 1337; Umberto Cassuto-Rom steuert eine Untersuchung über den geheimnisvollen Orientalisten Mithridates (15. Jh.) bei; Fritz Aronsiein weist auf einen jüdischen Novellenstoff bei Grimmelshausen hin. Beiträge von Guido Kisch und Luitpold Wallach beschließen das Heft, dessen Raum nicht ausreicht, die Fülle der Gratulanten zu fassen: einige weitere sollen erst im nächsten zu Worte kommen. Auch die „Monatsschrift für die Geschichte und Wissenschaft des Judentums' bietet „eine Art Festheft' dar, das eine Arbeit von Buber über die Keduscha, fachwissensdiafliehe Beiträge von Baeck und Julius Guttmann und eine größere Untersuchung von L. Lubasch über den Glauben an einen persönlichen Gott enthält. Endlich sei auf ein wertvolles Sonderheft der „Mitteilungen der Großloge' Bne Briss hingewiesen, in dem u. a. Max Dienemann, C Seligmann, Max Wiener, A. Freimann, Hermann Vogelstein und Max Eschelbacher in eigenen Arbeiten ihre Glückwünsche zum Ausdruck bringen. 274