Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1934-05-01 · Heft 2 (Mai 1934) · p. 84

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 2 (Mai 1934)
Article
Das Davidsschild
Date
1934-05-01
Page
84 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2895450-2895526-2895529-2903871--07107-2903935
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Johanna Michaelis Nach Max Grunwald erscheint das Hexagramm auch unter den Reichen der Pythagoräer. Unsere alten Gasthausschilder, die das Zeichen ebenfalls, für uns unerklärlicherweise als Symbol tragen, sollen in ihrer Form auf einen Brauch der Pythagoräer zurückzuführen sein. Die wandernden Mitglieder dieses Bundes sollen das Hexagramm für Eingeweihte an den Türen jener Häuser hinterlassen haben, in denen sie Gastfreundschaft gefunden hatten. Warum wählten sie wohl gerade dieses Zeichen, dessen heiliger Sinn auch ihnen nicht unbekannt gewesen sein dürfte? Wahrscheinlich, weil in ihm auch der Sinn der Gemeinschaft so stark zum Ausdruck kommt. Martin Buber spricht einmal von dem Geheimnis der Gemeinschaft: es bestehe darin, daß nicht nur der Niedere des Höheren bedarf, sondern auch der Hohe des Niederen. Die Vieldeutigkeit des Symboles erstreckt sich auch auf das Gegensatzpaar Hoch—Niedrig und seinen Zusammenschluß. Die sozialen Verbrüderungsideen der Pythagoräer, die auch im Judentum heimisch sind und auch dort zur Sektenbildung Anlaß gaben (Essäer), sind somit im Hexagramm trefflich ausgedrückt. Noch bevor ihm die Kabbalisten seine Bedeutung zuerteilten, spielt das Hexagramm in den Büchern der Alchemisten eine bedeutungsvolle Rolle. In unseren Ohren ist der Klang ihres Namens verunglimpft durch das Tun der Uneingeweihten, der Sudler, wie sie in den Reihen der Wissenden heißen. Sie glaubten, die geheimen Vorschriften, die wohl auf diesem Gebiete von den Weisen Ägyptens herstammten, wörtlich nehmend, daraus den Schatz für ihre niedrige Goldgier heben zu können. Die Arbeit der wahren Alchemisten aber war eine rein ethische, sie bezweckte die Veredlung des Menschen, die Auffindung des göttlichen Kernes in seinem Inneren, des „Steines der Weisen". Das Hexagramm sehen wir als Darstellung dieses höchsten Schatzes der Menschheit, und zwar sowohl in den Schriften der Alchemisten als auch in denen der Kabbalisten. Die Freimaurerei übernimmt dann später das Zeichen mit seiner Bedeutung aus der Alchemie. Das nach unten gerichtete Zeichen stellt hier das Wasser dar, das nach oben weisende das Feuer, Vereinigung der schärfsten Gegensätze. Die Durchdringung der Elemente zeugt die Materie des Steines, die aus dem Urgrund der Natur, beschienen von den glühenden Strahlen der göttlichen Sonne, ersteht. Vielleicht finden wir sogar das Urbild dieses „Steines der Weisen" in einer Legende der Kabbala, der Max Grunwald die Namensgebung unseres Symboles „Schild Davids" zuschreibt David wollte den Grund zum Tempelbau legen und stieß auf einen Stein, der die Abflußröhren der Abwässer verschloß, die am Opferaltar angebracht waren. Als er den Stein trotz Warnung entfernen wollte, stürzten die Wasser der Tiefe hemmungslos 84

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.