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Der Morgen · 1934-05-01 · Heft 2 (Mai 1934) · p. 85

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 2 (Mai 1934)
Article
Das Davidsschild
Date
1934-05-01
Page
85 (sequence 6)
Language
German
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Das Davidsschild darunter hervor. Nur nach vieler Mühe brachte David den Stein wieder an seine Stelle und versiegelte ihn dann mit dem heiligen Namen Gottes. In althebräischer Schrift sind das die Zeichen des Hexagramms. Dieses Siegel wurde fortan „Schild Davids" genannt. Im Namen Davids, in seinem Leben und Wirken finden wir jeden anderen Bedeutungsinhalt unseres Symboles wieder. Zu David, dem niederen Hirtenknaben, senkt sich aus seiner Höhe der Oeist Gottes hinab. Er, der Auserwählte, wächst nun dem Himmel entgegen und erkennt Gottes Herrlichkeit, der er auf Erden dient. Seiner Kraft gelingt daher auch der Zusammenschluß der Stämme Israels zur Einheit, die ihren Halt in Gott findet Auch die Messiaserwartung, die mit seinem Namen verknüpft ist, kann unauffällig in ihm verborgen liegen. Wo immer wir die Sprache der beiden ineinandergestellten Dreiecke entziffern, sie birgt immer als ihren tiefen Sinn den Zusammenschluß höchster und heiligster Werte, aus dem schöpferische Kraft geboren wird. Bei einem solchen Ergebnis der Beweisführung gilt es nun zu prüfen, was die Darstellung der Menora besagen wollte, die vor dem Mögen Dovid das alleinige Symbol des Judentumes gewesen ist. Ihre Gestaltung zeigt eine auffallende Ähnlichkeit mit dem Bilde des babylonischen Lebensbaumes. Der Baum, der seine Wurzeln tief in die Erde senkt, trägt an den Spitzen seiner Zweige die Himmelslichter der sieben Planeten. So entflammen sich im Heiligtume am siebenarmigen Leuchter gleichfalls die göttlichen Lichter, und wir finden in diesem so anders geformten Symbol den gleichen Inhalt wieder mit der Erkenntnis, daß sich Lebenskraft dort entfaltet, wo sich eine Vereinigung aller Gegensätze vollzieht, wie Licht und Dunkelheit, Höhe und Tiefe, Wasser und Feuer. Nur sein Ausdruck mußte eine Veränderung erfahren, weil die Juden zu der Zeit, als die Menora einziges Symbol war, noch nicht so abstrakt dachten wie jene im Mittelalter. Wir sehen, daß dieses Zeichen den gläubigen Inder zum Begriff des Unendlichen, Absoluten und seiner Entfaltung führt und erkennen es als heiligstes Sinnbild des frommen Juden vom absoluten, unwandelbaren, ewigen Sein Gottes und von dem Werden der Schöpfung. Unendliche Ruhe und Freiheit strahlt von ihm aus. Es ist weit entfernt von der Erstarrung endlichen Seins und der Unrast endlichen Werdens. Es ist Mitte, Gleichgewicht, — Gott. Als Inbegriff stärkster Liebe erscheint uns die enge, unlösbare Verschlingung, die die beiden Dreiecke zu einem Ganzen eint. Darum scheinen mir seine Linien den höchsten Lehrsatz auszusprechen, in dem die jüdische Religion gipfelt: „Höre Israel, der Ewige, Dein Gott, ist ein einiger Gott1. Du sollst lieben den Ewigen, Deinen Gott von ganzem Herzen!" 85

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