Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1934)
- Article
- Das Davidsschild
- Date
- 1934-05-01
- Page
- 83 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Davidsschild Benennung „Schild Davids" und mit dem auf diese Bezeichnung bezogenen Inhalt erhält es seine Bedeutung für das Judentum. Wo aber kommt es her und welche Anschauungen verbinden sich mit ihm bei anderen Religionen oder Geheimbünden? Diese Frage muß uns beschäftigen, wollen wir volles Verständnis für den Sinn des Mögen Dovid finden. Die Menora war ein Symbol gewesen, das ausschließlich dem Judentum angehörte. Kann in dem Mögen Dovid bewußt ein Zeichen gewählt worden sein, das schon in weiten Kreisen Bedeutung erlangt hatte? In den Büchern der Kabbala fand die auf den Messias gerichtete Enderwartung der Juden neue Nahrung. Auch das Sternbild der Fische, unter dem der Messias erscheinen sollte, wird im Hexagramm dargestellt. So kann man annehmen, daß mit ihm auch ein Hinweis auf das Reich Gottes gegeben werden sollte, in dem alle Völker sich einen, um I h n zu verherrlichen. Im Hinduismus spielt das Hexagramm oder die beiden Dreiecke mit ihren entgegengerichteten Spitzen heute noch ebenso wie in den ältesten Zeiten als heiliges Zeichen eine große Rolle. Der Eingeweihte erkennt in dem einen Dreieck das ewig ruhende Sein des Schiwa, in dem anderen Schakti, die göttliche Kraft, die sich entfaltet hat und in die irdische Welt eingedrungen ist In der Wiedervereinigung, in der innigen Verbundenheit, wie sie das Hexagramm zeigt, liegt die Offenbarung des Ur-göttlichen in seiner letzten Einheit. Der göttliche Geist steigt hernieder, der im Irdischen verankerte göttliche Funke hebt sich empor, — Schöpfertum entfaltet sich. Der chinesischen Deutung des Zeichens mit der Benennung Yang und Yin (das Licht und das Dunkel) wohnt der gleiche Sinn inne. Als das Symbol des Männlichen und des Weiblichen erscheint es ebensowohl hier wie in Indien, in der Kabbala als auch in den meisten der geheimen Bünde. Seltsam berührt uns die Wesensgleichheit, die zwischen dem indischen Mythos von Schiwa und Schakti und einer kabbalistischen Anschauung besteht. Martin Buber erzählt: „In Zweiheit ist durch die erschaffene Welt und ihre Tat der Gott zerfallen: in das Gotteswesen Elohut, das den Kreaturen entrückt ist, und in die Gottesglorie, Schechina, die in den Dingen wohnt, wandernd, irrend, verstreut. Erst die Erlösung wird beide in Ewigkeit vereinen. Aber es ist der Besitz des Menschengeistes, durch seinen Dienst die Schechina ihrem Quell nähern, in ihn eintreten lassen zu können, und in diesem Augenblick der Einkehr, ehe sie wieder niedersteigen muß in das Sein der Dinge, verstummen die Wirbel, die durch das Leben der Gestirne sausen, erlöschen die Fackeln der großen Verheerung, entsinkt die Geißel der Hand des Geschickes, hält die Weltenpein inne und lauscht: die Gnade der Gnaden ist erschienen, der Segen träuft nieder auf die Unendlichkeit." 83