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Der Morgen · 1933-08-01 · Heft 3 (August 1933) · p. 180

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 3 (August 1933)
Article
Berufsständischer Staatsbau
Date
1933-08-01
Page
180 (sequence 3)
Language
German
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Max Dienemann liehen ausgeht, als politisches Mittel, als Zelle des politischen Staatsaufhaus gedacht. Der Begriff des Politischen hat sich gewandelt, oder wandelt sich eben. Er ist bisher als ein von der sonstigen Betätigung Abgelöstes, Unabhängiges verstanden worden. Das führte dazu, daß offiziell und dem Namen nach diejenigen, die als Vertreter des Volkes dessen Geschicke zu bestimmen hatten, als Individuen oder als Vertreter einer bestimmten Ideologie auftraten; hinter der Ideologie aber verbarg sich, nur schamhaft verhüllt, das wirtschaftliche Interesse. Nunmehr aber soll die berufliche Tätigkeit der benannt© und gewollte Ausgangspunkt der politischen Betätigung sein. Von ihr aus wird das Bürger recht begründet sein, das über die reine Staatsangehörigkeit hinaus die aktive Teilnahme am Staatsleben ermöglicht. Die Berufsstände werden mit staatlicher Autorität ausgestattete Selbstverwaltungskörper, innerhalb derer Urleilsgewinnung und Willensbildung geschult wird. Von ihr aus wird wiederum die Mitarbeit am Staat bestimmt. So wird der Berufsstand politische Zelle. Eine künftige politische und zur Gesetzgebung mitberufene Vertretung des Volkes wird die Vereinigung der Menschen sein, die von ihren Berufsgenossen als ihre Beauftragten bestimmt sein werden. Der Sinn dieser Ordnung ist der: man geht von der Voraussetzung aus, daß jeder nur aus den Erfahrungen und Erlebnissen urteilen kann, die er aus seiner täglichen Arbeit gewinnt, daß nur das, was täglich sich erneuert, täglich neue Anforderungen stellt, täglich aus dem Wichtigsten, der Lebensnotdurft, formt, den Menschen schult und geeignet ist. den Wirklichkeitssinn zu erzeugen, aus dem man am Ganzen arbeiten kann. Politik soll eben nicht aus der Ideologie, im leeren Raum getrieben werden sondern aus der Wirklichkeit des Tages, die der Einzelne an sich erfährt- Es soll damit eine neue Ehrlichkeit erwachsen, denn es wird nichts mehr verhüllt, sondern offen gesagt, daß aus dem Arbeitsdienst und nur aus ihm der Staat seinen Halt und seine Tatsächlichkeit gewinnt. Man wird fragen, wie aber wird es nun verhütet, daß nicht der Einzelne nur an sein Berufsinleresse denkt und den Staat mit diesem gleichsetzt? Wie wird verhütet, daß nicht ein gegen früher noch gesteigerter Materialismus hochkommt? Die Hoffnung, darüber hinwegzukommen, gründet sich zunächst auf die starke Erziehung zum Volksganzen, die es zuwege bringen muß, daß nicht das Einzclinteresse sondern das Ganze jedem vor Augen steht; das Hindurchgehen durch den eigenen Berufsstand ist dann nur das Mittel, um zum Ganzen, zu gelangen. Wie einstens der Freiherr vom Stein den „Untertan" durch die Selbstverwaltung in der Stadt zur Selbstverwaltung im Staat erziehen wollte, so ISO

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