Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 3 (August 1933)
- Article
- Berufsständischer Staatsbau
- Date
- 1933-08-01
- Page
- 181 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Berufsständischer Staatsbau soll nun heut durch die Arbeit an dem eigenen Berufsstand die Erziehung zur Arbeit am Ganzen gehen. Sie gründet sich ferner auf den autoritären Aufbau des Staates; die autoritäre Regierungsgewalt soll, wenn das Eigeninteresse des Berufsstandes zum Ausdruck kommt, den Ausgleich herstellen. Vor dem Materialismus aber, der mit dem Beruflichen als Ausgangspunkt des Politischen verknüpft sein könnte, soll die Idee des Volkes schützen; sie mit ihrem über den Einzelnen und sein Interesse hinausgehenden Ziel, sie mit ihrem zwingend und fortreißenden Überpersönlichen, mit den starken Gefühlswerten, die sie vermittelt, dem Opfersinn, den sie verlangt, soll das starke Gegengewicht gegen alle Eigensucht bilden. Man kann natürlich, zumal es der erste Versuch einer solchen neuen Gesellschaftsordnung ist und die Praxis erst Erzieherin und Vollenderin ist, nicht darstellen, wie sich das alles vollziehen wird, wie die einzelnen Gewalten und Slrebungen sich aufeinander einspielen, zueinander finden und gemeinsam über sich hinauswachsen werden; man kann nur den Sinn des Ganzen erahnen, und künftige Gestaltungsmöglichkeiten abtasten. Das Gelingen des beruf ssländischen Staatsaufbaus" muß seelische Wirkungen wertvollster Art im Gefolge haben. Ergeben muß sich dann für den Einzelnen ein Gefühl der Würde. Vom Religiösen her haben alle Konlcssionen immer Adel und Würde der Arbeit gelehrt und in ihr und von ihr aus die rechte Verbindung von Demut und Selbstgefühl erstrebt. Hier nun tritt zu der Begründung vom Religiösen her die Würde, die die Arbeit am Beruf im staatlichen Aufbau verleiht. Arbeit ist jetzt nicht das Mittel zum Erwerb, zur Sicherung des Lebens, sondern die Grundlage, von der aus die Teilnahme am Staat und seinem Bürgerrecht erworben und behalten wird. Die letzten Jahrzehnte waren Jahre einer gewissen Sicherheit der Lebensführung. In so aufgeregten und umpflügenden Tagen, wie es die heutigen sind, gibt es eine Sicherheit und ein Gefühl der Sicherheit überhaupt nicht. An die Stelle des Sicherheitsgefühls, das alles Denken so stark beherrschte, daß schließlich der Pensionsanspruch zum letzten Ausdruck des Lebenswunsches wurde, tritt das Gefühl der Befriedigung, der vom Gestaltendürfen kommt. Und je mehr der berufsständische Aufbau die Arbeit zur Grundlage des Rechts am Staat erhebt, um so stärker wird mit der Eingliederung in den Berufsstand dio Freude am Staat, das Glücksgefühl des Bauens. Der Ausgleich der Interessen muß dann, im Gegensatz zu dem rücksichtslosen Kampf aller gegen alle, dem gegenseitigen Sichabjagen des Nahrungsplalzes, einen Frieden herbeiführen, der nicht ohne Einfluß auf den Frieden der Seele, die innere Gemütsruhe, die 181