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Der Morgen · 1932-08-01 · Heft 3 (August 1932) · p. 184

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 3 (August 1932)
Article
Vom Wesen der Gemeinschaft
Date
1932-08-01
Page
184 (sequence 4)
Language
German
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Max Dienemann Lied. Abschnitt I.)" Als Bürgen für ein heute zu empfangendes Geschenk die Kinder später Zukunft stellen und eine solche Bürgschaft als größte Sicherheit annehmen zu lassen: was bedeutet das anders, als daß Gemeinschaft nicht aus den Willensentschließungen Einzelner wird, sondern daß man in sie hineingestellt wird, daß sie eine schon vor ihnen vorhandene Tatsache ist, ein vor ihnen Gegebenes, das ergreift und formt? Wollte man also fragen, woher die Überzeugung stammt, daß Gemeinschaft und Volk ein Überindividuelles und nicht ein AtomistLsch.es ist, so ergibt sich zwingend, daß das die jüdische Auffassung schlechthin ist. Die atomistische als Wesen des Jüdischen zu benennen, ist demzufolge eine aus der Luft gegriffene Behauptung, so hingestellt nur, um einen Gegensatz um jeden Preis sinnfällig zu formulieren. Vielleicht kommt gar noch jemand und verwirft jetzt die überindividuelle Auffassung, weil sie eine spezifisch jüdische ist? Ein möglicher Einwand muß hier noch beiseite geschoben werden. Man könnte einwerfen: das alles bezöge sich einzig und allein auf die Volkwerdung Israels; das sei also eine Angelegenheit, die sich nur auf das Werden und Sein des Jüdischen beziehe und besage nichts für das Werden und Sein heutiger Volks- und Seelentümer. Aber dieser Einwurf wäre völlig verfehlt. Will man nämlich die für irgendein Problem maßgebende jüdische Denkart auf ihre Wurzel zurückführen, so ist die sicherste und aufschlußreichste Methode die, daß man zu ergründen versucht, wie man sich zum ihm stellte, als Israel noch ein für sich bestehendes Gebilde war. Wie jüdische Denkart von Volkwerdung und Gemeinschaftsbildung ist, kann man nur an dem Beispiel ihres Selbstzeugnisses über das Werden jüdischen Volks- und Seelentums erweisen, als dieses noch in seiner einstigen geschichtlichen Sonderstellung dastand. Das aber ist eben nur das Beispiel. Diese Denkart taucht ins Unbewußte und Unterbewußte hinab, behält dort Leben, ist ein Ewiges und Unzerstörbares und bricht immer wieder durch, wo in den Prozessen der Geschichte der von dieser Denkart Geleitete in den Fluß neuen Werdens, neuer Gemeinschaft hineinbezogen wird. Es mag zutreffen, daß im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts Teile der Judenheit in eine Denkweise hineingerieten, welche „Gemeinschaft" in eine Anzahl von Individuen zersplitterte und diese losgelöst von allen Zusammen-, hängen, in völliger Isoliertheit ganz auf ihren Willen stellte; das aber war der Einfluß der, unabhängig von Judentum und jüdischem Denken erwachsenen, 184

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