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Der Morgen · 1932-02-01 · Heft 6 (Februar 1932) · p. 542

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
7 (1931-1932)
Issue
Heft 6 (Februar 1932)
Article
Von "Ur" zur Gegenwart [Rezension]
Date
1932-02-01
Page
542 (sequence 5)
Language
German
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Max Dienemann dentums' und zugleich die Verflechtung der im jüdischen Kreis sich abspielenden Vorgänge mit dem Leben der Zeitgenossen. Dokumente und Berichte von Beobachtern ergänzen mit ihrer Tatsächlichkeit die Einfühlungskraft des Erzählers. Mag man auch selbst diese oder jene Einzelheit des Geschilderten anders werten, mag man der Seelendeutung die absolute Gültigkeit absprechen, man wird trotzdem die Schilderung im ganzen als Kunstwerk genießen und sich von ihr zur Eigenschau forttragen lassen. Mit besonderem Nachdruck sei auf das ausgezeichnete Schlußkapitel „Sinngebung des Geschehens" aufmerksam gemacht. Es ist voller Gedanken und trefflicher Deutungen und reicht weit über die Sinngebung jenes einzelnen Geschehens hinaus. In Zeiten wie den gegenwärtigen, in denen inmitten der Kirche um den Wert des Alten Testaments in der religiösen Erziehung gekämpft wird, verdient eine Rede von Professor Lorenz Dürr über das „Geheimnis der religiösen Entwicklung in Israel" besondere Beachtung.1) Mit sicherem Takt ist das Bestimmende der jüdischen Religion herausgearbeitet, die einzigartige Verbindung von Religion und Sittlichkeit und der Bundesgedanke, der in der Erwählung des Volkes zu seinem Gottesauftrag gipfelt. Kernstück des Ganzen ist die Feststellung, daß das Alte Testament anders als alle Kulturdokumente des Altertums ist; aus diesem Anderssein fließt die, Eigenart, die unnachahmlich den dauernden Erziehungswert begründet. Der Hinweis auf die Sonderstellung des Alten Testaments inmitten der Welt, aus dem es hervorging, führt uns zu einem Buche, das von den ältesten Zeiten dieser Weltkultur handelt. Der Leiter einer gemeinsamen Expedition des Britischen Museums und des Museums der Universität in Pensylvanien, C. L. W o o 1 e y, berichtet hier2) über den Erfolg der Ausgrabungen in Ur, der Heimatstadt Abrahams. Der Bericht ist nicht nur wegen der Tatsachen interessant, sondern auch, weil er Methode und Art der Ausgrabungskunst schildert, weil er zeigt, welche Überlegungen der Forscher bei der Verwertung seiner Funde anstellt, und wie er das Alter und den kulturellen Standort der Schichten bestimmt, in denen er seine Funde ausgegraben hat. Man ist dadurch instand gesetzt, zu einem guten Teil die Datierung und Auswertung der Funde nachzuprüfen. Die Ergebnisse sind geradezu märchenhaft. Es ist schon in höchstem Maße interessierend, einen Einblick in die Kultur Urs und Südbabyloniens zur Zeit Abrahams zu bekommen, — so überraschend wie vor Jahrzehnten ist das allerdings auch nicht mehr, da wir seitdem Hamurabis Gesetzbuch kennengelernt haben; immerhin lassen die Ausgrabungen erkennen, daß Abraham nicht, wie man dachte, aus einer nomadischen Kultur hervorgegangen ist, sondern daß er Bürger einer großen Stadt mit hochentwickelten Zivilisationsformen gewesen sein muß, daß die Menschen seiner Heimat in Häusern gewohnt 1) Rede bei der Übernahme des Rektorats an der Staatl. Akademie in Braunsbarg, allgedruckt in der Bonner Zeitschrift für Theologie und Seelsorge igäi, S. 2i4—22. 2) C. Leonhard Wooiey: „Ur und die Sintflut". Leipzig 1981. F. A. Brockhaus. 187 S. geh. 6,5o, geb. 8.— Mk. 542

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