Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 7 (1931-1932)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1932)
- Article
- Von "Ur" zur Gegenwart [Rezension]
- Date
- 1932-02-01
- Page
- 543 (sequence 6)
- Language
- German
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Von „Ur" zur Gegenwart haben, die von Behaglichkeit und Üppigkeit zeugen. Ganz moderne Formen der Wirtschaftsführung treten uns entgegen: "Vorräte in den großen Lagerhäusern der Tempel werden nur gegen Ausgabeschein geliefert, der den Namen des Empfängers und die Vollmacht für die Forderung enthält; Abschriften davon wandern ins Archiv. — Aber weit über diese Zeit hinaus führen die Ausgrabungen bis ins vierte vorchristliche Jahrhundert. Und sie weisen für diese Zeit einen Kulturstand auf, eme Fähigkeit der Bewältigung technischer Aufgaben, eine Reife der Goldschmiedekunst, die man sich nie hätte träumen lassen. Die Ausgrabungen bieten häufig Belege biblischer Berichte. Man lese, für eine jüngere Zeit, beispielsweise nach, wie die Inschriften auf Ziegeln aus Bauten von Cyrus in Stil und Redewendungen mit den im Buche Esra wiedergegebenen Erlassen des Königs Cyrus übereinstimmen. Aus einem der Funde kann vielleicht auch Licht auf eine dunkle Psalmenstelle fallen. In einem Grabe fand man Saiteninstrumente, die Tierköpfe als Schmuck hatten; eines trug das Bild eines Hirsches. Vielleicht war das schwer deutbare ajeleth in Psalm 22 solch ein Instrument, und vielleicht waren die Instrumente durch das Bild, das sie trugen, bestimmt. Das Buch hat seinen Titel davon, daß die Ausgrabungen Erdschichten nachwiesen, die nur durch eine ungeheure Überschwemmung erklärt werden können; diese Schichten überdecken noch die Reste von Siedlungen, die von Menschen hoher Kultur zeugen. Die interessanten Berichte werden ergänzt durch eine Arbeit des gleichen Autors, in der das gesamte Kulturleben der vorsemitischen Einwohner Babyloniens, der Sumerer, zusammenhängend geschildert wird. (Vor fünftausend Jahren.) Juden und Judentum sind heute nicht nur in die religiöse, sondern auch in die politische Diskussion einbezogen. Die Palästinafrage spielt in ihr eine entscheidende Rolle. Im Vordergrund der Diskussion steht hier die Palästinapolitik Englands. Josef Cohn beschäftigt sich mit ihr in seinem Werke: „England und Palästina".1) Es gibt eine gute Orientierung über den gesamten Ablauf der neuzeitlichen Palästinapolitik Englands. Ihr voran geht eine sehr lesenswerte Darstellung der geistig - religiösen Beziehungen der Engländer zu den Juden; sie sind eine der seelischen Voraussetzungen des englischen Interesses an einer Förderung der Juden. Vorausgeschickt ist ferner eine Einführung in die englische Orientpolitik, soweit sie für Palästina in Frage kommt. Hier hätte man sich den Bericht über Englands Verhandlungen mit den Arabern während des Krieges und die von England eingegangenen Verpflichtungen noch ausführlicher gewünscht. Die Gesamtdarstellung ist instruktiv, erschöpfend und durchaus objektiv, obwohl sie die national jüdische Einstellung des Verfassers nicht verleugnet, der in dem Palästinamandat „die internationale Anerkennung des nationalen Charakters des jüdischen Volkes erblickt". Sie geht auf den Sinn des Mandates ein, wie es sich aus den amtlichen Urkunden und Begründungen ergibt; mit besonderem Nachdruck ist herausgearbeitet, 3) Kurt Vowinkel Verlag Berlin. 027 S. geh. C,So geb. S,5o Mk. 543