Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3 (August 1929)
- Article
- Von allerlei Büchern [Rezension]
- Date
- 1929-08-01
- Page
- 304 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Max Dienemann setzen könnte: „Zur Philosophie des Theaters". Äußere und innere Vorgänge am Theater und in den Menschen, die an ihm und auf ihm arbeiten, werden geschildert. Zweig läßt das Theater vor uns erstehen als eine soziologische Funktion. Er weist ihm die Aufgabe zu, die Gruppenleidenschaften des heutigen Menschen sich entladen zu lassen. Diese Betrachtung des Theaters bringt sicher eine große Bereicherung und Erweiterung der Erkenntnis. Spannend, auch wenn man die Meinung nicht teilen kann, ist, wie die ganze Darstellung, im besonderen das, was Zweig über den Juden am Theater sagt. Er erklärt den Anteil des Juden am Theater aus seiner Eigenschaft als Mittelmeermensch (immer noch, trotz 2 ooo jähriger Entfernung?), aus dem Motorischen seines Wesens, — Bubers Prägung vom Unterschied des motorischen und sensorischen Menschen! — das ihn zur Affektentladung besonders befähige, er sucht die Schauspielereigenschaften vieler heute in Deutschland Wirkenden aus ihrer österreichisch-jüdischen Herkunft zu erklären, in Übereinstimmung mit seiner These, daß tiefer als das individuelle Sein, aber weniger tief als der schöpferische Seelenkern, das Gruppen-Ich sei, das im Unterbewußtsein lebt. Viel Wahres ist in Zweigs Lehre vom Gruppen-Ich, aber ruhig kann man sagen, daß er zu viel aus Einem ableiten will. Denn Künstler ist mehr als nur ein Gruppen-Ich Bestimmter, und Zweig sagt selber, daß das Schöpferische — und auch Schauspielkunst, wenn sie echt sein soll, muß schöpferisch sein — tiefer liegt als das Gruppen-Ich. Trotzdem ein höchst wertvolles, sehr interessantes, sehr lesenswertes Buch, in edler Sprache, mit heißer Wahrheitsliebe geschrieben. Reizvoll ist die - durchaus kritische- Charakteristik des Kritikers Kerr. Daß der Anteil der Juden nicht übersteigert und auf sein Maß zurückgeführt ist, erhöht den Wert des Buches. Ein anderes Buch von Karl Schwarz1) will den gesamten Anteil der Juden an der Kunst in Gegenwart und Vergangenheit erschöpfen. Stoff und Gebiet sind so reichgegliedert und weit, daß der Überblick nur ein summarischer sein kann. Der Verfasser gliedert den Stoff so, daß er zunächst die mit dem Judentum zusammenhängende Kunst und ihre Anwendung durch Juden schildert, das heißt die Kunst, die mit dem jüdischreligiösen Leben zusammenhängt, nämlich Synagogenbau und Ausschmückung, Kultgegenstände, Handschriften, Drucke und ihre Bebilderung. Danach versucht er die einzelnen uns bekannten jüdischen Künstler zu benennen; man ist erstaunt über die Fülle der Namen und die Größe der Leistung. Hier wäre nun allerdings ein ausführliches Eingehen auf den Einzelnen erwünscht, die Herausarbeitung dessen, was an seiner Leistung und seiner Art etwa das Jüdische sein könnte, oder der Nachweis, daß solch eine Feststellung nicht möglich ist. Da die Reihe der Künstler bis in die unmittelbarste Gegenwart der eben Wirkenden und Aufblühenden geführt ist, wäre der junge Berthold Wölpe nachzutragen mit seiner eigenartigen und neue Wege weisenden Grabmalkunst, seinen Kultgeräten und seiner Arbeit an der Veredlung des Bilx) Karl Schwarz, Die Juden in der Kunst. 1928. Yerlag Der Heine-Bund, Bsrlin, mit so Tafeln. 228 S. 8.5o Mk. 304