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Der Morgen · 1929-08-01 · Heft 3 (August 1929) · p. 303

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 3 (August 1929)
Article
Von allerlei Büchern [Rezension]
Date
1929-08-01
Page
303 (sequence 10)
Language
German
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Von allerlei Büchern kannte gut zusammen. Die seelische Voraussetzung, aus der der Verfasser schreibt, und aus der er die Emanzipation beurteilt, ist die zionistische These von der Unwandelbarkeit und Notwendigkeit des nationalen Charakters der Judenheit; so forciert er denn auch für die Juden der Gegenwart Festhalten des nationalen Rechts. Aber da er in Frankreich schreibt, ist gemäß der Gesamthaltung der jüdischen Nationalisten in Frankreich die Formulierung der nationalen Forderung so, daß sie sich kaum von dem unterscheidet, was in Deutschland auch der Antizionist als selbstverständlich empfindet; sie fällt im Wesentlichen mit dem Festhalten an religiöser Eigenart zusammen. Ein Buch ernsten religiösen Ringens ist Hermann B a h r s „Himmelfahrt".1) Es ist von Anfang an nicht als Roman zu werten; als solcher ist es farblos, ohne Spannung, kaum daß Handlung und Bewegung in ihm ist, die Menschen bleiben Schatten. Es ist die Geschichte einer Bekehrung, einer Rückkehr zum Katholizismus, vermutlich Bahrs eigene Seelengeschichte. In Zwiegesprächen zwischen dem Helden des Romans, einem nach mancherlei Irrfahrten in die österreichische Heimat zurückgekehrten Aristokraten, und einem unerhört klugen Priester, der durchaus nicht als bekehrungswütig geschildert wird, werden Grundfragen des Katholizismus erörtert, insbesondere das ewige große Rätsel vom Ineinanderklingen der göttlichen Gnade als der bewegenden Kraft allen menschlichen Tuns und dem freien Willen des Menschen. Es ist ja dem Katholizismus zu eigen, daß er die Selbstständigkeit der sittlichen Persönlichkeit nicht ganz ausschalten will. Und nun findet Bahr dafür die Formel, daß Gottes Gnade unaufhörlich unterwegs sei, sie komme dem Menschen hundert Schritte entgegen, ziehe ihn an sich und biete sich ihm dar, aber den letzten Schritt, die ausgestreckte Hand zu ergreifen, den müsse der Mensch aus seinem Willen tun. Ist das nicht ganz jüdisch, möchte man fragen? Die jüdische Formel würde lauten, der Mensch müsse immer den ersten Schritt tun, Gott zu begegnen, Gott zu erfassen, dann biete sich ihm Gott dar. „Nahe ist Gott all denen, die ihn anrufen". Eine treffende Bemerkung, die Bahr den Priester machen läßt, sei besonders hervorgeboben, nämlich die, daß es der Irrtum der Gebildeten sei, das Sakrament erst dann gelten zu lassen, wenn es der Kritik ihres Verstandes standgehalten habe, während seine Kraft gerade darin besteht, daß es über Klüfte hinaus alles Volk verbinde und sein Gebrauch Ausdruck des Gemeinschaftswillens sei. Genau dasselbe kann man, und mit größerem Recht, weil das Sakramentale keine Rolle spielt, im Jüdischen von der Form und den Formen sagen. — Von zwei Büchern sei nun gesprochen, in denen von der Mitarbeit der Juden an der Kunst der Gegenwart die Rede ist. Das eine hat Arnold Zweig geschrieben unter dem Titel „Juden auf der deutschen Bühne".2) Der Hauptwert des Buches liegt nicht in der Herausarbeitung des jüdischen Anteils, sondern in der Durchführung der Gedanken, über die man als Überschrift etwa *) Verlag Franz Borgmayer, Hildesheim. 4o6 S-; ungeb. 5 Mk., Ganzl. 7 Mk. 2) Verlag Der Heine-Bund, Berlin 1927. 3o2 S. mit 16 Bildnissen. 8.5o Mk. 303

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