Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3 (August 1929)
- Article
- Von allerlei Büchern [Rezension]
- Date
- 1929-08-01
- Page
- 305 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2895450-2895483-2895487-2899887--03737-2900004- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Von allerlei Büchern des der hebräischen Buchstaben. Die beigegebenen Illustrationen empfindet man nicht als gelungen, es gibt wesentlich bessere Wiedergaben. Seite 5g hätte die Wandmalerei in der Synagoge zu Mohilew nicht einfach als „Ansicht von Worms" bezeichnet werden dürfen, der Beschauer könnte denken, daß wirklich eine Ansicht von Worms gegeben ist, während der Künstler aus der Phantasie ein Bild irgendeiner russischen Kirchgruppe mit Zwiebeltürmen zeichnete und einfach den Namen Worms in seiner hebräischen Fassung darüber schrieb. In der Parallelwand zeichnete er auf ähnliche V/eise Jerusalem. Es fällt — und damit greifen wir bereits über den Rahmen dieses Buches hinaus — bei der Betrachtung der Bilder auf: Warum ist bei jeder modernen Zeichnung von Juden der Ostjude in seiner typischen Haltung, Tracht und Kleidung der Typ des Juden schlechthin, warum wagt kein Künstler den Juden von heute im Ausdruck seiner Religiosität darzustellen? Als letztes sei noch auf ein klassisches Buch hingewiesen, das in neuer Auflage vorliegt, Ferdinand Gregorovius' berühmtes Buch „Geschichte der Stadt Athen imMittelalt er '. Ihr angefügt als zu ihr gehörig ist ein Neudruck von Ferdinand Gregorovius' Schriften „Athenais", „Korfu" und den „Kleinen Schriften über Griechenland".1) In „Athenais'' werden die Schicksale einer byzantinischen Kaiserin des früheren Mittelalters lebendig gemacht, die, aus dem Heidentum hervorgegangen, als Christin auf den Thron von Byzanz gehoben, hineingestellt ward in das politische Getriebe von Byzanz und Westrom und eine nicht unbedeutende Rolle in den kirchlichen Kämpfen um die sogenannte monophysitische Lehre spielte. Athen, Byzanz und Jerusalem sind die Brennpunkte dieser Erzählung, und besonders reizvoll ist die Schilderung der Philosophen- und Rhetorenschulen in dem sterbenden heidnischen Athen. Die Geschichte Athens von Gregorovius, das Gegenstück zu seinem berühmten Buch „Die Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter**, erschließt eine unbekannte Welt, voll bunten Lebens, gibt ein Stück wenig gekannter byzantinischer Geschichte; Perser, Araber, Slaven, Normannen und Abenteurer des südlichen Abendlandes ziehen in bunter Reihe an dem Leser vorüber. Es erübrigt sich, über die Gregorovius eigne Kraft der geschichtlichen Darstellung zu reden, — genug, man liest das Buch mit Interesse und Spannung, und auch Menschen wie wir, die hineingestellt sind in die großen Maßstäbe der Weltgeschichte von heute, werden gefesselt von dieser Schilderung der Schicksale einer Stadt. Weil es eben nicht eine Stadt schlechthin ist, sondern Athen, und weil es die Erzählung von dem Ringen zwischen Byzanz und dem Abendlande ist. x) Athen und Athenais. Verlag Wolf gang Jess, Dresden. 997 S. Mit 60 Lichtdrucken nach alten Vorlagen. Herausgegeben von Dr. Fritz Schillmann. In Leinen gebunden 20 Mk., in Pergament 3o Mk., in Leder 35 Mk. 305