Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3 (August 1929)
- Article
- Von allerlei Büchern [Rezension]
- Date
- 1929-08-01
- Page
- 302 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Max Dienemann hebt viele Selbstverständlichkeiten der bisherigen Grammatik auf, sie eröffnet weite Perspektiven für die gesamte Sprachforschung, nicht 'nur für die semitische. Aus der reich emporblühenden französisch-jüdischen Literatur ist besonders zu erwähnen ein vorzüglich gelungenes Werk von Edmond F1 eg„Moise",i)das als Teil einer Schriftenreihe „Les vies legendaires" erschienen ist. Bei seiner Lektüre wird man unwillkürlich an das ausgezeichnete leider unvollendet gebliebene Werk von Dr. Bernhard Beer „Das Leben Moses nach Auffassimg der jüdischen Sage" (i863) erinnert. Flegs Buch ist anders geartet, es fügt zu dem Bild, das die Haggada von Mose gezeichnet hat, noch die aus der eigenen visionären Kraft geschauten Züge hinzu; dazu besteht das volle Recht, denn die aggadische Deutung ist ja nicht mit Talmud und Midrasch abgeschlossen. Tiefbewegt und im Innersten ergriffen legt man das Euch aus der Hand, in ihm lebt Mose. Der Bodenfrage in Palästina und allen mit dem ländlichen und städtischen Grundbesitz verknüpften Problemen ist Grannowskys, übrigens auch in deutsch und englisch erschienenes Buch „Les Problemes de la terre en Palest ine"2) gewidmet. Einer von Edmond Fleg herausgegebenen Schriftenreihe „Judaisme" gehört Bernhard Lazares3) Buch „Le Furnier de Job" an. Es enthält Bemerkungen und Essais über Juden und Judentum, über ihre Geschichte und den Sinn ihres Leidens, über das Menschheitszugewandte in Israels Lehre, über die Besonderheit der jüdischen Ideen. Der Titel will sagen, daß sowohl die Feinde als auch seine es verleugnenden Großen aus Israel einen an Wunden und Schmutz leidenden Hiob gemacht haben. Bedeutsamer vielleicht als Lazares Worte ist der dem Buch vorangeschickte Nachruf Charles Peguys auf Lazare. Was der in der neukatholischen Bewegung in Frankreich einst führende prächtige Mensch von Lazare sagt, läßt das Bild eines Edlen aufleuchten, der. von Wakrheits- und Gerechtigkeitsliebe durchglüht, in der Unbeugsamkeit seines Charakters nie sich zum Kompromiß zu neigen gewillt war. Der Reihe „Judaisme" gehört ferner an ,,L'eman cip ation des Juifs"von Baruch Hagani.4) Der Autor gibt zunächst einen kurzen Abriß der jüdischen Geschichte; danach schildert er ausführlich die geistige Emanzipation der Juden des westeuropäischen Kulturkreises unter Moses Mendelssohn und des auf ihn folgenden Geschlechtes und den politischen Emanzipationskampf während der französischen Revolution. Er verweilt lange bei der Darstellung der Kämpfe in der französischen Nationalversammlung um das Bürgerrecht der Juden und bei der Stellung und Haltung der elsässischen und innerfranzösischen Juden zu diesen Kämpfen; mit breiter Ausführlichkeit sind die Vorgänge um das von Napoleon einberufene Synhedrion entwickelt, den Abschluß bildet Napoleons berüchtigtes Dekret von 1808, welches die Emanzipation auf Zeit außer Kraft setzte. Die Darstellung ist flüssig, sie bringt nichts Neues, stellt aber das Be- 1) Molse Librairie, Gallinard, Paris. 2^9 S. 2) Rieder, Paris. 226 S. 12 frcs. 3) Rieder, Paris. 169 S. 10 frcs. 4) Rieder, Paris. 270 S. 12 frcs. 302