Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3 (August 1929)
- Article
- Von allerlei Büchern [Rezension]
- Date
- 1929-08-01
- Page
- 298 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Max Dienemann sehen Ost- und Westjuden, Zionismus, Antisemitismus, um nur einiges zu nennen. Wenn das Buch den vierten Teil des Umfanges gehabt hätte, wäre es wirksamer. Es enthält viele gute Bemerkungen und Beobachtungen, aber es entbehrt zu oft der Tiefe und der Gründlichkeit. Rühmenswert ist Wille und Absicht des Verfassers, ist die gerechte Haltung gegenüber dem Nichtjüdischen; unverhüllt ist aber auch die extrem zionistische Tendenz. Und da von feuilletonartigen Büchern über Judentum die Rede war, so sei noch ein drittes genannt: J. Pollak „Von jüdischem Sein und Werden"1). Pollak war Universitätsprofessor in Prag und vor dem Kriege führend im österreichischen Judentum, ein bekannter Orientalist. Von seinem Wollen und Fordern legt die Auswahl aus seinen volkstümlichen Aufsätzen ein beredtes Zeugnis ab. Sie sind allesamt leicht lesbar und im besten Sinne belehrend. Voraussetzung seines Wirkens war der Gedankengang, daß ein besseres Wissen um das Judentum mehr Treue und Anhänglichkeit erzielen wird. Das ist und bleibt richtig, aber wir sind heute in einem Punkte darüber hinaus, wir urteilen: Vor dem Wissen steht das Wollen, und das Wollen ist nicht nur durch das Wissen anzufachen, es ist in seinem Ursprung irrational, und um es zu wecken bedarf es einer tieferen Erziehungsarbeit als nur der Wissensverbreitung und Aufklärung. Es wäre seltsam, wenn in einer Reihe von Büchern, die mit Judentum und jüdischen Fragen zu tun haben, nicht auch einige von Antisemitismus handeln würden. Da ist zunächst eine wissenschaftliche Abhandlung über den Rassenantisemitismus.2) Der ganze Werdegang der Rassentheorie und ihre antisemitische Anwendung wird wissenschaftlich untersucht und dargestellt. Die persönliche Stellungnahme des Verfassers kommt im Schlußkapitel genau zum Ausdruck. Er lehnt die antisemitische Ausdeutung des Rassegedankens ausdrücklich ab, weil sie aus der Totalität des Weltgeschehens in einseitiger Weise die Rasse herausgreift, um alles auf sie zurückzuführen. Er findet andrerseits, daß die Juden einen Fehler damit begehen, daß sie aus Abwehr den Begriff der Rasse völlig leugnen, und daß diese Leugnung eines Vorhandenen nur denen Vorschub leiste, die den Rassebegriff übertreiben. Im Zionismus sieht er eine dem Antisemitismus verwandte, nur mit andern Vorzeichen versehene Überbetonung des Rassischen. Als Träger des Judenrnissions-Gedankens findet er die einzig mögliche Überwindung im Christentum und in der als Vorbereitung verstandenen alttestamentlichen Religion. Von der Verwerfung des Antisemitismus aus christlich-religiösen Gründen handelt eine sehr aufschlußreiche Broschüre des Pfarrers E. Lamparter.3) Nach einer geschichtlichen Übersicht über die Stellung Luthers und der einzelnen evangelischen Strömungen zu den Juden und dem Judentum, und nach einer Charakterisierung der neuzeitlichen Versuche einer Germanisierung der christ- 1) Verlag Josef Flesch, Prag. i45 S. Ganzl. 3.5o Mk. 2) W. ten Boom: Die Entstehung des modernen Rassenantisemitismus. Leipzig, Instilutum judaicum Delitzschianum. 5o S. 3) „Evangelische Kirche und Judentum". Verlag der „Abwehrblätter", Berlin. 60 S. 298