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Der Morgen · 1929-08-01 · Heft 3 (August 1929) · p. 297

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 3 (August 1929)
Article
Von allerlei Büchern [Rezension]
Date
1929-08-01
Page
297 (sequence 4)
Language
German
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Von allerlei Büchern ist diese Sitte allerdings nicht zu belegen aber anzunehmen" nicht; auf diese Weise könnle man alles belegen. Es fehlt auch nicht an Abgeschmacktheiten. Daß der Honig nicht als Opfer vorkommt, soll daran liegen, daß er „eine magische Speise einer älteren Stufe war, (vielleicht ein Brechmittel?)". Mit solchen Worten kann man schließlich alles erklären, aber auch das Gegenteil. Der Grundfehler des Buches ist sein orthodoxer Wellhausenianismus. Als ob man noch 1880 schriebe, ist Jahwe als der grollende, zürnende, eifersüchtige Dämon geschildert, der aus bloßer Schadenfreude die Menschen gegeneinander aufstachelt. Für diese letzte Behauptung ist Ri. 9, 23, 1. Sam. 26, 19 als Beleg angegeben. Liest man dort nach, wo findet man da etwas von Schadenfreude? Dazu gesellen sich handgreifliche Unrichtigkeiten, die nicht vorkommen dürfen. Der Verfasser verwechselt z. B. die eglah arufah, das Opfer, das bei einem Mord, dessen Täter unentdeckt blieb, dargebracht wird, mit der roten Kuh, dem Opfer, aus dem Reinigungswasser genommen ward, baut aber auf diese Verwechselung seine Schlüsse auf. Es ist schade, daß die gründliche Beherrschung des volkspsychologischen Stoffes durch die verfehlte Grundeinstellung zur Bibel und durch die Sucht, zuviel feststellen zu wollen, so unfruchtbar wird. Bei diesem Buche sei, bei bewußter Ablehnung der aus der Betrachtung der Bibel gewonnenen Schlüsse, doch die starke Belesenheit und die Beherrschung des Stoffes anerkannt. Das nächste jetzt zu benennende Büch muß eine grundsätzliche Ablehnung in allem erfahren. Es nennt sich: „Auf Gottes Wegen".1) Es ist kein Buch der Wissenschaft, eher eine Art schriftlicher Homilien. In die Schöpfungsgeschichte und in die Schilderung einzelner biblischer Gestalten wird allerhand hineingeheimnißt, alles wird allegorisch gedeutet, philonische Manier ohne philonische Gedanken. Die guten Gedanken verschwinden unter der Fülle der minderen. Was aber dem Ganzen den Charakter des jüdischen Buches, das es doch sein will, nimmt, ist die Einstellung zu Jesus. Er ist dem Verfasser, genau entsprechend der christlichen Bibelerklärung, die Verwirklichung der in Psalm 22 und in Jesaja Kap. 53 niedergelegten Verheißungen; er sieht im Christentum die teilweise bereits erfolgte Verwirklichung des von unseren sämtlichen Propheten geweissagten göttlichen Heilsplanes.. Es ist unfaßbar, wie der Verfasser diese Anschauung mit seinem betonten Judesein zu vereinen vermag. Feuilletonistisch den Stoff behandelnd und nicht wissenschaftlich unterbaut ist das neueste Buch von Heinrich York- Steine r.2) Warum er das Buch mit dem Untertitel „Minderheit verpflichtet" versieht, ist nicht ganz klar. Den Titel rechtfertigt nur ein einziges Kapitel, und in ihm ist auch zu viel von der äußerlichen Haltung der Minorität die Rede. Das Buch handelt de omnibus rebus et quibusdam aliis; von Bibel und Evangelium, von den drei Sekten, von Jesus, Paulus, vom Talmud, Differenzen zwix) Friedrich T. Aschkenas}': Auf Gottes Wegen. 1928, Leipzig. M. W. Kaufman» Verlag. 43g S-, ungeb. 7.—, geb. 7.50 Mk. 2) Heinrich York-Steiner: Die Kunst als Jude zu leben (Minderheit verpflichtet). 1928. M. W. Kaufmann, Leipzig. 655 + XIX S.; ungeb. i3.5o Mk., geb. 16.— Mk. 297

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