Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3 (August 1929)
- Article
- Von allerlei Büchern [Rezension]
- Date
- 1929-08-01
- Page
- 299 (sequence 6)
- Language
- German
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Von allerlei Büchern liehen Religion, klingt das Ganze aus in der Forderung eines besseren und vorurteilsloseren gegenseitigen Sichverstehens und in der Ablehnung des Rassenantisemitismus, als der Grundidee des Christentums zuwiderlaufend. A. Kat z, „D er wahre Talmudjude"1) liegt im Neudruck vor. Obgleich seit der ersten 1893 erfolgten Auflage viele gute und umfassende Darstellungen der jüdischen Ethik, wie sie wirklich ist, erschienen sind, war der Neudruck nicht überflüssig. Die kurze, knappe, sachkundige Bearbeitung der einzelnen Themen wirkt aufklärend und befestigend und macht das Buch zu einem brauchbaren Werkzeug im Abwehrkampf. Eine Anzahl von Büchern ist rühmlich zu erwähnen, die jüdischen Persönlichkeilen gewidmet sind. Ganz erfüllt von dem Manne, dem es geweiht ist, ist Oskar Wolfsbergs Nobe 1-Buch.2) Es ist hervorgegangen aus einem in Hamburg gehaltenen Vortrag zum Gedenken an Nobel. Mit unendlicher Liebe und feinem Verständnis für das Einzigartige der Persönlichkeit schildert Wolfsberg das Werden und Wirken Nobels. Er schildert ihn von allen Seiten seiner reichen Lebensarbeit, als Rabbiner, als Prediger, als Talmudkenner, und in seinem Einfluß auf die Entwicklung des rabbinischen Gesetzes, das er nicht als starr betrachtete; er schildert ihn auch als Sprachkünstler und Goetheforscher, in seiner ganzen Weltaufgeschlossenheit. So voller Liebe ist das Buch, daß man auch eine gelegentliche Überschwenglichkeit gern mitnimmt, wie etwa die, „daß Nobel dem Judentum Tiefe und Ursprünglichkeit wiedergegeben habe" — konnte es denn diese je verlieren und kann ein Einzelner Verlorenes wiedergeben? — Man beendet das Buch mit dem Gefühl wiederaufgewühlten Schmerzes, daß ein so zum Führer Berufener allzu zeitig heimging! Dem Frankfurter Rabbiner S a 1 o m o n Breuer widmet sein Sohn ein Buch3). Seiten ist der Trauer eines Sohnes um den Vater so innig und ergreifend Ausdruck gegeben, wie hier. Die Persönlichkeit des Vaters wird vom Sohne geschildert mit der ganzen Innigkeit der kindlichen Liebe und zugleich mit der Ehrfurcht des Schülers. Die Trauer um den Vater wird dem Sohne zum Anlaß des Nachdenkens über Sinn und Bedeutung der Kindschaft und Elternschaft; Elternschaft und Kindschaft wird ihm zum Symbol der Schöpfung und des Schöpfers. In die Sprache des Buches muß man sich mit Hingabe vertiefen, will man den Sinn des Gesagten erfassen — man kann ihn mehr erfühlen als erfassen. Nicht mit allem wird man mitgehen können, aber man kann nicht mit dem Verfasser diskutieren, denn es ist Glauben, was den Ausgangspunkt seiner Überlegungen bildet, und nur wer diesen Glauben hat, kann mit ihm mitdenken. Aus der Fülle sei ein Gedanke herausgehoben, den nicht jeder unterschreiben wird: Wie man unterscheiden müsse zwischen Schöpfung an sich und der Schöpfungsform der Welt, so sei zu . i) Vierter Neudruck, Berlin 1928. Verlag M. Poppelauer. i65 S. 3 Mk. 2) Oskar Wolfsberg, N-ehemias Anton Nobel 1929. - J. Kauffmann Verlag. 57 S.; ungeb. 3 Mk., geb. 4-5o Mk. ' 3) Isaac Breuer Elischa 1928. J. Kauffmann Verlag, Frankfurt a. M. 110 S; ungeb. 4 Mk., geb. 5.5o Mk. 299