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Der Morgen · 1929-08-01 · Heft 3 (August 1929) · p. 296

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 3 (August 1929)
Article
Von allerlei Büchern [Rezension]
Date
1929-08-01
Page
296 (sequence 3)
Language
German
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Max Dienemann Sätze für ihre wissenschaftliche Arbeit aufgestellt haben, und zeigt, wie sie dann in ihrer Arbeit diesen von ihnen selbst erhobenen Forderungen widersprechen, und zu welch anderen Resultaten sie hätten kommen müssen, wenn sie ihren eigenen Grundsätzen wirklich gefolgt wären. Jampel weist nach, wie unbegründet das Mißtrauen ist, das sie der alten Überlieferung entgegenbrachten, wie die neuen Ausgrabungsfunde die Einsicht in die Treue der alten Überlieferung befestigt haben. Der Verfasser ist ein ausgesprochen konservativer Bibelforscher, darum ist die Mahnung doppelt gewichtig, die er an die Kreise der konservativen Forscher richtet, mit der Methode der wissenschaftlich-kritischen Forschung an die Bibel heranzugehen, und sich nicht zu fürchten, daß Ergebnisse gezeitigt werden könnten, die die Gläubigkeit vermindern. Die Wahrheit stehe über allem und die Dogmatik des Judentums ist nicht so starr, daß sie nicht die von religiösem Sinn beseelte Forschung vertragen könne. Das Buch sollte jeder, der Unterricht in biblischen Dingen zu geben hat, gelesen haben; man könnte auch einzelnes in Zeitungsaufsätzen in knapper Form dem größeren Leserkreis nahebringen, es lohnte sich, und es ist notwendig, auch den Durchschnittsleser mit diesen Dingen bekannt zu machen. Geradezu ein Schulbeispiel, wie man biblische Fragen nicht behandeln darf, ist die Spezialuntersuchung über „Das Opfer in der altisraelitischen Religion" von Karl Adolf Wendel.*) Das Buch hat, das muß rühmend gesagt werden, mancherlei Anerkennenswertes. Das ganze Problem des Opfers wird auf seine psychologischen Grundlagen geprüft, alle Formen des Opfers, die in der Bibel erscheinen, werden im einzelnen sprachlich erklärt und auf ihre seelischen Grundlagen hin untersucht. Der Verfasser zeigt dabei eine große und umfassende Belcsenheit und einen staunenerregenden Fleiß. Aber man fragt sich doch, wieso heißt das „Das Opfer in der altisraelitischen Religion"? Altisraelitisch, das soll die Stufe der religiösen Entwicklung sein, die vor all dem liegt, was in der Bibel seinen Niederschlag fand. In ihr sollen all die seelischen Voraussetzungen und Verknüpfungen gegeben gewesen sein, aus denen einmal die verschiedenen Arten des Opfers herauswuchsen, die dann in anderer Gestalt und in anderen seelischen Verbindungen im biblischen Zeitalter erschienen. Aber was weiß man von dieser altisraelitischen Volksreligion? Nichts. Der Verfasser sagt selbst, daß all das sogar in vorisraelitischer Zeit lag. Um seinen Theorien Gehalt zu geben, müssen allerhand Analogien mit den Vorstellungen primitiver Völker herhalten. Wie wenn z. B. die Tatsache, daß irgend eine Vorstellung bei den Australiern vorhanden sei, genüge, um den Schluß zu ziehen, daß sie auch bei den alten Israeliten'vorhanden gewesen sei! Bei aller Einheit des Menschengeschlechts, — darin ist seine Einheit nicht zu suchen, daß die Vorstellungen über den Zusammenhang menschlicher Handlungen mit überirdischen Vorgängen sich immer und überall wiederholen. In ein wissenschaftliches Buch gehören Sätze wie etwa der: „Für Israel x) Veröffentlichungen des Forschungsinstituts für vergleichende Religionsgeschichte an der Universität Leipzig. II. Reihe, Heft 5. Karl Adolf Wendel: Das Opfer in der altisraelitischen Religion, Leipzig 1927, Eduard Pfeiffer Verlag. 238 S. 12 Mk. 296

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