Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3 (August 1929)
- Article
- Von allerlei Büchern [Rezension]
- Date
- 1929-08-01
- Page
- 295 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Max Dienemann: Von allerlei Büchern hingewiesen, die eine willkommene Bereicherung unseres Wissens bedeutet und zeigt, wie entscheidende Epochen des Wandels im Denken der europäischen Menschheit unter der Einwirkung jüdischer Gedanken standen. AlbertLewkowitz, Dozent am Jüdisch-theologischen Seminar in Breslau, übergibt im Sonderdruck seine Programmarbeit für den letzten Jahresbericht des Seminars der Öffentlichkeit. Von einer Reihe von Heften über „Das Judentum und die geistigen Strömungen der Neuzeit" behandelt dieses erste „Die Renaissance".1) Indem Lewkowitz charakteristische Philosophen und Mystiker der Renaissance und des Humanismus — genannt seien besonders Pico della Mirandola, Reuchlin, Leone Ebreo, Giordano Bruno, Sebastian Franck, Jean Bodin — in ihren Ausführungen über Religion und religiöse Probleme wiedergibt, erfährt man mancherlei Parallelen dieser Gedanken mit jüdischen Anschauungen. Bei den genannten Denkern kommt ein ausgesprochen unkonfessionelles universalistisches Denken zum Durchbruch; die Trinität, die Lehre von der Erbsünde werden in Zweifel gezogen. Man beginnt zu ahnen, daß nicht auf dem Glauben an eine Bekenntnisformel, sondern auf der von der Zugehörigkeit zu einer Kirche unabhängigen sittlichen Tat das Heil des Menschen beruht. Diese und manche anderen von der herkömmlichen Kirchenlehre abweichenden Gedanken bedeuten eine deutliche Hinneigung zu jüdischen Gedankenreihen. Sie kommen zustande teils durch direkte Berührung mit der Bibel und mit Schriften der Juden — bis auf Leone Ebreo handelt es sich um christliche Autoren, — teils sind sie ein Beweis dafür, wie Gedanken, die die Juden von jeher festgehalten, gelebt und gekündet hatten, derart in die geistige Atmosphäre übergingen, daß sie, als die Zeit reif wurde, auch in denen durchbrachen, die selbst mit Wissen und Willen im Christentum standen. So wird die Schrift zu einem wohlgelungenen wissenschaftlichen Nachweis von dem Einfluß, den das Judentum allein durch die Tatsache seiner Existenz und die geistige Haltung seiner Bekenner auf die Formung und Gestaltung eines neuen Denkens ausübte, von dem inneren Zusammenhang des geistigen Lebens Europas in allen Zeiten mit dem Judentum und seiner Geistigkeit. Die nächsten Hefte werden das Thema weiterführen und zeigen, wie die neue Zeit auf die Entwicklung der religiösen Gedanken innerhalb des Judentums auch umgestaltend einwirkte und sie fort und fort beeinflußt, wie die religionsphilosophische Begründung des Judentums in der Neuzeit sich vollzieht. Dieser Fortführung kann man mit Spannung und Interesse entgegensehen. Mit den Fragen der Bibelkritik beschäftigt sich ein Buch von J a m p e l.2) Es gibt nicht viele Bücher auf diesem Gebiete, die so verdienstvoll und so mit Dank zu begrüßen sind wie dieses. Jampel geht folgenden Weg: Er wiederholt die Leitsätze, die die führenden Männer der protestantischen Bibelkritik aus der jüngstverwichenen Epoche als die Grund-!) Breslau 1929. Verlag M. und H. Marcus. 96 S. 2 Mk. 2) Siegmund Jampel: Vorgeschichte des israelitischen Volkes und seiner Religion, I. Teil. Die Methoden. 2. Aufl. 160 S. D. Kauffmann Verlag 1928; brosch. k Mk.4 geh. 5.5o Mk. 295