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Der Morgen · 1929-06-01 · Heft 2 (Juni 1929) · p. 152

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 2 (Juni 1929)
Article
Der Beitrag des Judentums zur Verwirklichung des Völkerfriedens
Date
1929-06-01
Page
152 (sequence 12)
Language
German
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Max Dienemann des Gedankens, „sie werden nicht mehr lernen, Krieg zu führen"; wer weiß, wie oft Krieg daraus entstanden ist, daß Menschen planvoll auf ihn gedrillt wurden, daß seine Methode erlernt und angelernt worden ist, daß überhaupt Menschen da sind, die für ihn vorbereitet sind und nun in der Richtung ihrer Vorbereitung und ihres Erlernten Betätigungsdrang haben, wird die liefe Weisheit dieser Prägung der Friedensforderung zu würdigen wissen. Als ob der Prophet geahnt hätte, daß es eine Möglichkeit gäbe, den Frieden als einen vorübergehenden Zustand ohne Dauer und Ewigkeit zu fassen, formen sich ihm an anderer Stelle, da wo er die Geburt des Friedeusbringers kündet, die Worte „zum Frieden ohne Ende" (Jesaja 9, 6). An die biblischen Worte reihen sich die mannigfachen Äußerungen der Friedenssehnsucht in den Apokryphen an, die ja auch Ausdruck jüdischer Seelenhaltung und Religiosität sind; zu ihnen gesellen sich Äußerungen über den Wert des Friedens in dem talmudischen und aggadischen Schrifttum. Dr. Heinemann hat in seinem Aufsatz im vorigen Heft des „Morgen", „Die Idee des Völkerfriedens im Altertum", bereits treffend ausgeführt, welche andere, tiefere Bedeutung im Hebräischen das Wort für Frieden schalom gegenüber dem lateinischen pax und dem griechischen eirene hat, wie in ihm die Vollkommenheit des Leibes und der Seele zum Ausdruck kommt, wie hier also der Friede nicht nur als Fehlen des Kriegszustandes oder als juristisch und kultisch gesicherter Rechtsvertrag empfunden wird, sondern als Ausdruck der inneren Ausgeglichenheit des Menschen und seines tiefen, religiös beflügelten Willens nach Herrschaft des Rechts und der an Gott entzündeten Gerechtigkeit. Dieser Inhalt des Wortes schalom schwingt mit, wann immer vom Frieden und seinem Wert und dem Verlangen nach ihm die Rede ist Aus dem Chor der Stimmen seien wenigstens einige der charakteristischsten wiedergegeben. Da ist zuerst das berühmte Wort des Rabban Simon ben Gamaliel: „Auf drei Dingen steht die Welt, auf dem Recht, der Wahrheit und dem Frieden" (Sprüche der Väter, I, 18). Hier wird also der Frieden unter die Dinge eingereiht, ohne die die Welt als sittliche Schöpfung nicht bestehen kann; damit wird implicite der Krieg als Zerstörer und Vernichter abgelehnt und ihm jede Berechtigung abgesprochen. Ferner das Wort: „Der Priestersegen schließt ab mit ,Gott gebe dir Frieden', um zu sagen, daß kein Segen irgendeinen Wert hat, wenn nicht der Friede mit ihm verbunden ist" (Bemidbar rabbah XI, 7); das bedeutet, daß ohne Frieden kein Gut, keine Tugend als Segen, als Wert empfunden 152

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