Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1929)
- Article
- Der Beitrag des Judentums zur Verwirklichung des Völkerfriedens
- Date
- 1929-06-01
- Page
- 153 (sequence 13)
- Language
- German
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- Isaiah 1× ep/1005097
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Der Beitrag des Judentums zur Verwirklichung des Völkerfriedens werden darf. Ähnlich das Wort des Priesters Rahbi Chanina: „Der Friede ist von gleichem Wert wie das ganze Werk der Weltschöpfung, denn so heißt es (Jesaja 45, 8): „er bildet das Licht und schafft die Finsternis, er stiftet den Frieden" (Jalkut zu 4- B. M„ Abs. 711). Ein anderes Wort: „Chiskia sagte, die Größe des Friedens ist aus folgendem ersichtlich, andere Gebote beginnen mit einem „wenn", z. B. (2. B. M., 2 3, 4) „wenn du dem Ochsen deines Feindes oder seinem Esel begegnest, der umherirrt..., (5.B.M., 22,6) wenn deinem Angesicht unterwegs ein Vogelnest begegnet...", immer ist's so, wenn sich dir die Gelegenheit zur frommen Tat bietet, mußt du sie tun, wenn sie sich dir. nicht bietet, besteht eben keine Verpflichtung, aber wie heißt's vom Frieden? „Suche den Frieden und jage ihm nach" (Psalm 34, i5), „suche ihn, da wo du bist, jage ihm nach allerorten" (Wajikra rabbahlX, 9). Als ganz besonders charakteristisch darf die folgende Äußerung gelten: „Warum fehlt in der Schöpfungsgeschichte beim zweiten Tage die Bemerkung ki tow, „Gott sah, daß es gut war?" Rabbi Chanina sagte, weil es an ihm heißt (i.B. M., 1,6): „es sei Scheide von Wasser und Wasser"; es sagte Rabbi Twijomi: „wenn schon bei einer Trennung, die zur Herstellung und Befestigung der Welt und ihrer Besiedlung notwendig war, das „es ist gut" versagt bleibt, wie erst bei Trennung und Streit, die sie verwirren!" (Bereschith rabbah IV, 6). Das heißt also: Kein noch so hohes Ziel, keinen noch so höhen Wert gibt es, daß um ihretwillen eine Störung des Friedens einen Schimmer von Recht hätte; nicht einmal zur Wahrung des Bestandes der ganzen Welt könne eine Störung des Friedens gutgeheißen werden. Man halte sich erneut vor, was oben über den Einfluß der Thora auf die jüdische Religiosität und über die stete Verbundenheit mit solchen Worten gesagt war, und man wird wissen, daß hier der Niederschlag einer durch Jahrhunderte hindurch bis in unsere unmittelbare Gegenwart lebendig fortwirkenden Denkweise zu finden ist. Was aber folgt nun daraus für die Betätigung der Juden von heute?i Einmal, daß die Friedensgesinnung und das Streben nach dem Frieden ein wichtiger und unentbehrlicher Bestandteil der jüdischen Religiosität ist. Zu ihr gehört es, den Frieden als höchsten Wert zu preisen; zu ihr gehört es, als wahres Heldentum die geistige und sittliche Kraft anzusprechen, mit der erstrebt und erarbeitet wird, daß alle menschlichen Beziehungen, auch die staatliehen, durch Recht geregelt werden. Zu ihr gehört die Zurückweisung des Gedankens, daß in solcher Höherbewertung der geistigen und sittlichen Kraft als der Bewährung körperlicher Kraft und streitbarer Tapferkeit eine Schwächlichkeit und Feigheit sich berge, und die Pflege des Glaubens, daß das die 153