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Der Morgen · 1929-06-01 · Heft 2 (Juni 1929) · p. 150

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 2 (Juni 1929)
Article
Der Beitrag des Judentums zur Verwirklichung des Völkerfriedens
Date
1929-06-01
Page
150 (sequence 10)
Language
German
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Max Dienemann ein im Kriege bewährtes Heldentum und militärische Kraft und Tüchtigkeit irgendwie geschätzt hätte. Von einer geradezu klassischen Kriegsverneinung zeugt die Tatsache, daß in den Tagen, da der Ritus sich bildete und festigte, man für den Sabbath des Chanuckafestes als Prophetenabschnitt ein Stück wählte, das in den Worten gipfelt: „nicht durch Heeresmacht und nicht durch Kraft, sondern allein durch meinen Geist spricht Gott" (Secharja l\, 6), und daß man in diesem Satz den Sinn des Geschehens verkörpert empfand. Hier wird gleichsam mit einer Handbewegung alles kriegerisch Heldische als gleichgiltig und nicht der Rede wert beiseite geschoben. Aus den ältesten Zeiten der Bibelauslegung findet sich im Sifre zu 4- B. M. 3i, 7 die Bemerkung, daß bei einer Belagerung die Stadt nicht von allen Seiten umschlossen werden darf, eine Seite solle frei bleiben, damit den Einwohnern Gelegenheit gegeben sei, zu entweichen und ihr Leben zu retten. All das ist sprechendes Zeichen des Fehlens jeder Schätzung der körperlichrohen Kraft und eines durch körperliche Kraft erworbenen Vorteils, und der Überordnung des Menschen und seines Bedürfens allem politischen Zweck und Mittel. Von dem Fehlen dessen, was wir Kriegsgesinnung nannten (d. h. alleiniges Gerichtetsein des Sinnes auf den Zweck des Krieges und Freude über die Vernichtung des Feindes), zeugt die bekannte Legende: „Als die Wogen des Meeres über die Ägypter fluteten, wollten die Engel Gottes ein Loblied singen; da wehrte ihnen Gott und sprach: meine Geschöpfe verlieren ihr Leben und ihr wollt Jubelgesang anstimmen?" (Megillah 10a). Kriegsgesinnung könnte solche Legende nicht erfinden, sie würde den Jubel über den Untergang des Feindes noch dankbar unterstreichen. Und sollte die Abneigung der religiösen Führer in der Römerzeit, durch Aufstand und Krieg Roms Joch abzuschütteln, nur auf die Erwägung zurückzuführen sein, daß ein Erfolg angesichts der Machtverhältnisse unmöglich sei? Also ganz und gar auf Nützlichkeitserwägungen? Das kann unmöglich bei Menschen sein, die in einer so vollendeten Gottgläubigkeit lebten, daß es ihnen gar nicht denkbar war, Gott könnte anders handeln, als dem Recht zum Sieg helfen und den Unterdrückten befreien. Auch hier kann nur das Widerstreben gegen den Krieg als solchen die Haltung bestimmt haben. Die innere Ablehnung des Krieges führt sogar zu einer ausgesprochenen Paradoxie. Es war der Gedankengang der Propheten, als sie in der Welt- 150

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