Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1929-06-01 · Heft 2 (Juni 1929) · p. 149

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 2 (Juni 1929)
Article
Der Beitrag des Judentums zur Verwirklichung des Völkerfriedens
Date
1929-06-01
Page
149 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2895450-2895483-2895486-2899736--03552-2899811
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Der Beitrag des Judentums zur Verwirklichung des Völkerfriedens sie gaben ihnen Kleider und Schuhe und zu essen und zu trinken, und salbten sie und führten sie, alle Schwachen auf Eseln, zu ihren Brüdern nach der Palmenstadt Jericho, dann kehrten sie nach Samaria zurück." Das ist wiederum ein Verhalten, das von jeder Kriegsgesinnung weit entfernt ist, bei dem die Rücksicht auf den Menschen über dem Zweck der Vernichtung und Niederhaltung des Feindes stand. Man sage nicht, das war ein Bruderkrieg, und hier kämpften Verwandte miteinander; jeder Krieg ist Bruderkrieg und die Feindschaft zwischen Verwandten ist, wenn sie erst entstanden ist, wütender als irgendwelche sonst. Man lese ferner die Erzählung vom Kriege Israels mit Syrien, da der Syrerkönig Ben-Hadad geschlagen sich versteckt hält, und wie seine Diener unter Berufung auf die sprichwörtliche Milde der jüdischen Könige ihm raten, sich dem König von Israel bittend zu Füßen zu werfen, er tut es und wird sofort mit fürstlichen Ehren aufgenommen (i. Kg. 20); d. h., daß in einer Zeit, in der überall der gefangene feindliche Führer um des Kriegszweckes willen, zu Tode gemartert wurde, in Israel ohne Rücksicht auf die später möglichen militärischen Gefahren auch der feindliche Führer um seines Menschseins willen als Bruder und Freund behandelt wurde. Dieses Fehlen der Kriegsgesinnung zeigt sich weiter in dem Bericht, daß man König David den Tempel nicht bauen Heß, obgleich er doch den Ruhm und die Geltung des Landes über alle Maßen gefördert hatte, weil er eben das alles durch Krieg getan hatte; daß im Bewußtsein des Volkes schon in biblischer Zeit, in den Büchern der Chronik, König David nicht so sehr als der große Kriegsheld und der Besieger des Goliath fortlebte, sondern als der fromme Psalmen-Sänger und -Dichter; daß man den Altar nicht mit Eisen behauen durfte, weil das Eisen das Werkzeug des Krieges ist. Bezeichnend für die Einstellung der nachbiblischen Geschlechter ist es, daß in den jüdischen religiösen Quellen von den Kriegstaten der Makkabäer nichts zu finden ist, nicht einmal von dem heldenhaften Kampf, der die Religionsfreiheit erstritt; die Bücher der Makkabäer sind nicht in den Kanon aufgenommen worden; das wäre nicht möglich gewesen, wenn man dem Kriege irgendwie positiv gegenübergestanden hätte. Dem Eroberungsdrang der makkabäischen Könige stand das Volk ablehnend gegenüber, ihre Kriege mußten sie mit fremden Söldnern fähren und die reichsten Kriegserfolge brachten es nicht zuwege, daß sich die Liebe und Anerkennung des Volkes ihnen zuwandte; das wäre wiederum nicht möglich gewesen, wenn man X49

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.