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Der Morgen · 1929-06-01 · Heft 2 (Juni 1929) · p. 148

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 2 (Juni 1929)
Article
Der Beitrag des Judentums zur Verwirklichung des Völkerfriedens
Date
1929-06-01
Page
148 (sequence 8)
Language
German
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Max Dienemann Wer ist der Mann, der furchtsam und weichen Herzens ist, er gehe, er kehre in sein Haus zurück, nicht schmelze er das Herz seiner Brüder, seinem Herzen gleich!" Daß solche Anrede vor Kriegsbeginn im Bewußtsein des Volkes lebte, zeigt die Gideonerzählung, die auch von dem Ausruf berichtet: „wer Angst hat und zaghaft ist, kehre um" (Richter 7, 3). Daneben setze man nun noch die andere Verordnung (5. B. M., 24, 5): „Wenn ein Mann ein neues Weib nahm, fahre er nicht in der Heerschar mit aus, nichts ergehe über ihn in allerhand Beding, ungestraft gehöre er seinem Haus ein Jahr lang und erfreue sein Weib, das er genommen hat" All das ist das völlige Gegenteil von Rriegsgesinnung. Die Ansprüche des Einzelnen auf das, was er sich an Glück und Behagen von seinem Leben erwartet, werden dem Staatsinteresse und dem politischen Ziel übergeordnet, während Kriegsgesinnung bedeutet, dem politischen Mittel des Krieges jedes Bedürfen des Einzelnen unterzuordnen, es als unberechtigt und gar nicht vorhanden zu betrachten. Eine Erzählung im Buche der Chronik (2, 28, V. 8 ff.) ist besonders charakteristisch für das Fehlen dessen, was wir mit Kriegsgesinnung bezeichneten. Dort wird berichtet, wie in einem Kriege Israels gegen Juda Israel Sieger war, große Beute machte und viele Gefangene heimbrachte, und dann wird weiter fortgefahren: 9 bis 15: „Dort war aber ein Prophet des Herrn, namens Obed, er ging dem Heere entgegen, das nach Samaria kam, und sprach zu ihnen: Da der Herr, der Gott eurer Väter, über Juda zürnte, gab er sie in eure Hand, und ihr tötetet unter ihnen mit einer Wut, daß es bis an den Himmel reichte. Und nun denkt ihr, die Judäer und Jerusalemiter euch zu Sklaven und Sklavinnen zu zwingen — gewiß, das wird euch nur zu einer Verschuldung gereichen gegen den Herrn, euren Gott. So hört auf mich und gebt die Gefangenen zurück, die ihr fortgeführt von euren Brüdern, denn die Zornglut des Herrn ist gegen euch. Da erhoben sich Männer von den Häuptern der Efraimiten, Asarjas Sohn Jochananhu, Berechjas Sohn Mesillemots, Hiskijas Sohn Sali ums und Amassa, Sohn Hadlais, wider die vom Kriege Heimgekehrten. Und sprachen zu ihnen: Bringt die Gefangenen hier nicht ein, denn nur in neue Schuld zu verfallen gegen den Herrn denkt ihr, hinzuzufügen zu unserer Sünde und zu unserer Schuld; gewiß, groß genug ist ohnedies unsere Schuld und der Zorn über Israel! Da ließen die Kriegsleute die Gefangenen und die Beute vor den Fürsten und der Versammlung. Die Männer, die oben mit Namen genannt sind, standen auf, sie holten die Gefangenen und kleideten von der Beute alle Nackten unter ihnen; 148

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