Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1929)
- Article
- Der Beitrag des Judentums zur Verwirklichung des Völkerfriedens
- Date
- 1929-06-01
- Page
- 147 (sequence 7)
- Language
- German
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Der Beitrag des Judentums zur Verwirklichung des Völkerfriedens Landnahme die Kriege, die gefuhrt werden, Verteidigungskriege sind, Abwehr feindlichen Angriffs und fremden Knechtungswillens. Es kommt, führten wir aus, auf die Kriegs- oder Friedensges inn un g an; die Stellung zur Kriegs- oder Friedensfrage ist nämlich nicht einfach aus den Feststellungen, ob es Krieg gab oder nicht zu beantworten. Kriegsgesinnung ist diejenige Gesinnung, bei welcher der Krieg so sehr als Mittel der Gestaltung der staatlichen und volklichen Beziehungen gilt, daß nicht nur mit ihm als einem Selbstverständlichen, Erlaubten oder Notwendigen gerechnet wird, sondern daß ihm und seiner zielbewußten Durchführung alles untergeordnet ist, so daß ihnen gegenüber jeder menschliche und kulturelle Wert zurückzutreten hat. So gefaßt, darf man ohne Übertreibung sagen, daß es schon im biblischen Schrifttum eine Kriegsgesinnung nicht gab. Die mannigfachsten Zeugnisse dafür sind vorhanden. Man lese die folgende Verordnung (5. B. M., 20, 9)1): „Wenn Du eine Stadt viele Tage einschließest, sie zu bekriegen, um sie zu nehmen, verdirb nicht ihren Baumstand, eine Axt gegen ihn zu zücken, denn von ihm sollst Du genießen, Du sollst ihn nicht roden, denn ist der Baum des Feldes ein Mensch, daß er vor Dir in die Einschließung käme?" Kriegsgesinnung würde das gerade Gegenteil sagen und tun, würde den Baumstand umhauen, um den Belagerten dadurch rascher auf die Knie zu zwingen. Das Gegenteil von Kriegsgesiimung spiegeln die anderen bekannten Kriegsgesetze der Bibel wieder, sie seien, um alle Züge des Bildes wiederzugeben, ausführlich hergesetzt (5. B. M., 20, 5—8): „Dann sollen die Schriftführer zum Volke reden, den Spruch: Wer ist der Mann, der ein neues Haus baute und es nicht rüstete? er gehe, er kehre in sein Haus zurück, sonst könnte er im Kriege sterben und ein andrer Mann rüstete es! Und wer ist der Mann, der einen Rebgarten pflanzte und gab ihn nicht preis? er gehe, er kehre in sein Haus zurück, sonst könnte er im Kriege sterben und ein andrer Mann gäbe ihn preis! Und wer ist der Mann, der ein Weib sich verlobte und nahm sie nicht? er gehe, er kehre in sein Haus zurück, sonst könnte er im Kriege sterben und ein andrer Mann nähme sie! Und fortfahren sollen die Schriftführer zum Volke zu reden, sie sollen sprechen : x) Soweit es bereits möglich, ist, sind all© Bibelstellen nach der Buber -Bosenzweieschen Übersetzung zitiert. 147