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Der Morgen · 1929-06-01 · Heft 2 (Juni 1929) · p. 144

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 2 (Juni 1929)
Article
Der Beitrag des Judentums zur Verwirklichung des Völkerfriedens
Date
1929-06-01
Page
144 (sequence 4)
Language
German
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Max Dienemann erweise, wenn man ihn pflege und für ihn politisch wirke, man mache ihn dadurch zu einer judischen Angelegenheit, und das würde ihm rebus sie stantibus nur abträglich sein. Diese Seelenhaltung soll in keiner Weise entschuldigt werden, ihr haftet noch Ghettogesinnung an, bei ihr empfindet man sich eigentlich als außerhalb des Deutschtums stehend und nicht zum Mithandeln verpflichtet Wer sich als Deutscher fühlt, muß unbedingt das tun, was er nach seiner Meinung für Geltung und Würde des Deutschtums in der Welt richtig hält. So ist also in der oben gezeichneten Haltung Unfreiheit, Mangel an Überzeugungstreue, ein ängstliches Sichverstecken, ein Kapitulieren vor dem Geist der gerade Herrschenden. Aber auch wenn man sie nicht entschuldigen will, Tatsache ist, daß sie in vielen vorhanden war und ihre Energie und Willenskraft schwächte. Erwägt man nun ferner, daß in Deutschland einst die Emanzipation der Juden mit ihrer Einfügung in die allgemeine Wehrpflicht begann, so begreift sich leicht, daß von hier aus im Unbewußten und Unterbewußten ihrer pazifistischen Betätigung Hemmungen erwuchsen. Nun aber hat sich der Einfluß des Judentums im Laufe der letzten zwei Jahrtausende eigentlich nie in der Weise vollzogen, daß eine programmatische, fest formulierte Forderung in die Welt hinausgesandt wurde, daß eine Lehre, dogmatisch fixiert, in die Köpfe hin eingehämmert wurde, sondern er bestand darin, daß seine Bekenner aus ihrem religiösen Bewußtsein eine bestimmte seelische Haltung durch die Tat bekundeten; das Leben der Juden, ihre Art, der Welt und den Gemeinschaftsbeziehungen der Menschen Gestaltung zu geben, war allein ihr Einfluß, und wo diese Lebensgestaltung deutlich aus ihrem religiösen Bewußtsein floß, war eine Einwirkung der Juden zugleich eine solche des Judentums. In der Friedensfrage nun konnte durch Jahrhunderte weder ein Einfluß von Juden noch vom Judentum überhaupt vorhanden sein; vom Beginn des Mittelalters bis in den Anfang des 19. Jahrhunderts! war ihnen die Teilnahme am Militärdienst nicht möglich; in den Söldnerheeren des Mittelalters mag es vielleicht hie und da einen Juden gegeben haben, dann war er aber seiner Glaubensgemeinschaft und seiner Religion entfremdet Zu einem Nachdenken, ob Judesein mit Militärdienst und Anteilnahme am Krieg sich überhaupt innerlich vertragen, konnte es gar nicht kommen, weil die Voraussetzungen für den seelischen Konflikt nicht gegeben waren; mit dem 19. Jahrhundert beginnt zwar die Teilnahme des Juden am Militärdienst und am Krieg, aber sie steht gänzlich unter dem Gesetz und Zwang des Staates und ist völlig von dem Affekt der t44

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