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Der Morgen · 1929-06-01 · Heft 2 (Juni 1929) · p. 143

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 2 (Juni 1929)
Article
Der Beitrag des Judentums zur Verwirklichung des Völkerfriedens
Date
1929-06-01
Page
143 (sequence 3)
Language
German
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Der Beitrag des Judentums zur Verwirklichung des Völkerfriedens dadurch, daß die Menschen von heute und mit ihnen die Juden sich in erster Reihe als Glieder ihrer Wirtschaftsgruppe empfinden und zu den Fragen der Sittlichkeit und der Lebensgestaltung im Politischen aus ihrem Wirtschafts-Gruppendenken Stellung nehmen. Das sollte nicht sein; es sollte so sein, daß die Religiosität und das aus ihr fließende Sittlichkeitsziel das Handeln des Menschen bewegen und regieren, das allein wäre wirklich religiöse Seelenhaltung. Bei allem anderen bleibt die Religion ein Bezirk der Seele und nicht das Bestimmende, es sollte so sein, aber es ist nicht so. Man kann nicht anders als das feststellen und zugleich feststellen, daß daraus eine Minderung der Einwirkung von Religion und Religionsgemeinschaft auf die öffentliche Lebensgestaltung sich ergibt. Zu alledem tritt nun noch eines: wo es sich um Fragen der nationalen Haltung handelt, pflegt es in der Regel so zu sein, daß Angehörige einer Minderheit den Begriff des Nationalen in der Gestalt als selbstverständlich hinnehmen, die ihm die Regierung und die Präger der öffentlichen Meinung gegeben haben. In dem Bemühen, angesichts der ohnedies der Minderheit gegenüber bestehenden Abneigung und Feindseligkeit nicht aufzufallen, den Konfliktstoff nicht zu vermehren, passen sie sich der offiziellen Wertung dessen, was als national zu gelten hat, an. Wenn nun noch eine gewisse Denkrichtung der Minderheit als a n t i national bezeichnet wird, und manche kein Bewußtsein mehr davon haben, daß diese Denkrichtung ein Stück ihrer berechtigten und prägenden Eigenart ist, so rücken sie von ihr ab. Nun war es tatsächlich so, daß die Regierenden, nicht nur in Deutschland, Pazifismus als eine dem Nationalen feindliche abträgliche Denkart bezeichneten; es gelang ihnen, die öffentliche Meinung nach dieser Richtung hin entscheidend zu beeinflussen. Noch mehr, aus der Tatsache, daß biblische Gestalten die ersten und wesentlichen Träger des Friedensgedankens waren, und daß Juden in großer Anzahl für die Friedensidee wirkten, wurde die Formel geprägt, daß Pazifismus etwas Jüdisches — das hieß in der Ausdrucks weise der Regierenden und der Drahtzieher der öffentlichen Meinung „Schwächliches", „Minderwertiges" — sei; darauf hin kamen viele Juden, denen das Gefühl dafür verloren gegangen war, wie sehr der Friedensgedanke zur jüdischen Religiosität gehöre, zu dem Schlüsse, sich lieber, der Betätigung innerhalb der Friedensbewegung zu enthalten; sie fürchteten, sonst Ärgernis zu erregen, und als anational oder gar antinational zu gelten. Ja, manche verstiegen sich sogar zu der Behauptung, daß man dem Friedensgedanken einen schlechten Dienst 143

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