Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1929)
- Article
- Der Beitrag des Judentums zur Verwirklichung des Völkerfriedens
- Date
- 1929-06-01
- Page
- 142 (sequence 2)
- Language
- German
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Max Dienemann imstande wäre zu sagen: das und das ist unentbehrliches Element jüdischer Religiosität, und jeder Jude hat die religiöse Pflicht, sich in dieser Linie zu betätigen. Sie stammen ferner aus der Tatsache, daß es ein eigenes jüdischstaatliches Leben seit den Tagen des Konflikts mit den Römern nicht gibt. Aber wenn irgendwo, so gilt's in den Fragen der Politik, — und die Friedensfrage ist ja nicht nur eine Frage der Sittlichkeit, sondern auch der Politik, der Versittiichung der Politik, — daß das Recht und die innere Stärke einer Theorie, einer Lehre, einer sittlichen Forderung erst dann ihre volle Bewährung erfahren, wenn die, die sie aufstellen und erheben, sie auch in den Konflikten betätigen, in die sie hineingestellt sind. Und nun ist es so, daß das Judentum als religiöse Macht seit etwa 1800 Jahren nirgendswo mit einer politischen Macht und Einheit zusammenfällt und also auch nicht in die Konflikte hineingeraten ist, die der Durchführung der Friedensidee sich entgegenstellen. Und es ist ferner so, daß in der Gegenwart nirgendswo Juden in der Lage waren, als politische Leiter des Landes oder Staates, dem sie angehören, Einfluß auf die Politik auszuüben, so daß man etwa hätte sagen können, daß in einer bestimmten politischen Lage ein Jude aus seinem religiösen Bewußtsein heraus sich für den Frieden bemüht hat. Man könnte vielleicht sagen: Das aber kann sich mit einem entstehenden jüdischen Palästina ändern, hier können in absehbarer Zeit die Juden einmal zeigen, wie sie in einem eigenen Staate inmitten der mannigfachen Konflikte eines staatlichen Lebens den Friedensgedanken verwirkHchen. Aber man soll sich von vornherein nicht einem solchen Gedanken zuwenden. Selbst wenn es dazu käme, wozu ja nicht die mindeste Aussicht ist, daß Palästina als rein jüdischer Staat erstände, wird seine Regierung nichts Wesentliches zur Friedensfrage tun können, denn Krieg und Frieden ist heute ganz und gar eine Frage der Großmachtpolitik; die kleinen Mächte, — man sieht es so deutlich, daß es dafür eines Beweises gar nicht bedarf, — sind über die Entscheidungen in dieser Frage in keiner Weise Herr, sie stehen unter der Diktatur der Großmächte. Wenn es wirklich einmal zu einem Zusammenschluß Europa-Asien kommen sollte, auf welcher Seite dann immer Palästina stehen wird, — politischer Wille und geographische Lage decken sich nicht, — es wird keinen Willen haben und hineingezerrt werden wie viel größere und mächtigere Staaten auch. Grenzen sind dem Einfluß des Judentums und der Juden ferner gesteckt, — diese sind nicht wie die bereits genannten mehr oder minder zwangsläufig, aber sie sind vorhanden, — 142