Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1929)
- Article
- Der Beitrag des Judentums zur Verwirklichung des Völkerfriedens
- Date
- 1929-06-01
- Page
- 141 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2895450-2895483-2895486-2899736--03544-2899803- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Der Beitrag des Judentums zur Verwirklichung des Völkerfriedens Von Max Dienemann Zu dieser Frage, wie zu jeder großen Weltschicksalsfrage, darf man nicht nur theoretisch Stellung nehmen, Wille und leidenschaftlicher Eifer muß die Richtung des Tuns weisen. Gerade darum ist es notwendig, ehe man die Haltung der Juden und des Judentums zur Friedensfrage in Vergangenheit und Gegenwart entwickelt, erst die Grenzen zu zeigen, die ihrer Einwirkung gesteckt sind, sei es, daß sie wirklich vorhanden sind, sei es, daß sie im Bewußtsein der Menschen leben; was im Bewußtsein lebt, ist schließlich für seinen Trager eine Wirklichkeit, von der er sich regieren läßt, und die er als für sein Handeln bestimmend empfindet. Eis genügt also nicht, daß man einfach, ohne ein Wort der Erklärung, die Tatsache feststellt, daß das Judentum dem Frieden zugewandt ist, daß die stärkste Betonung des Friedensgedankens vom Propheten ausging, — man muß sich zuvor mit der Frage auseinander setzen: Was tut denn das Judentum von heute, was tut das Judentum von gestern zur Verwirklichung des Friedens, warum ist nicht jeder Jude ein Künder des Friedensgedankens? und man muß weiter fragen: Ist denn die Stellung des Judentums zur Friedensfrage eine einheitliche? Hat es denn nicht in der Bibel Kriege gegeben, ist nicht in ihr recht viel von Krieg und Waffen die Rede? hat es nicht die Makkabäer gegeben, die ob ihrer Kriegsleistung zu Nationalhelden wurden? Wir stecken zunächst die Grenzen ab, die der Einwirkung der Juden heute und seit langer Zeit in dieser Frage gesetzt sind. Sie stammen aus der Tatsache, daß es seit langem kein Judentum als ein Gebilde emheitlicher Willensregung gibt, daß ihm die autoritative Behörde fehlt, die befugt und X4\