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Der Morgen · 1929-02-01 · Heft 6 (Februar 1929) · p. 588

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Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 6 (Februar 1929)
Article
Der "Diener des Ewigen"
Date
1929-02-01
Page
588 (sequence 8)
Language
German
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Joseph Norden für, daß sich nämlich in unserm Prophetenbuch viele Wiederholungen finden, die es wahrscheinlich machen, daß der Prophet bald da, bald dort, bald in diesem, bald in jenem Kreis geredet, scheint jedoch recht schwach. Seine Behauptung vollends, der Prophet habe, wenn er vom Untergang Babels und von der Zukunft Israels redet, sich größter Zurückhaltung befleißigt und „sich außerordentlich allgemein und unbestimmt ausgedrückt1), er habe sich mit Andeutungen begnügt, deutlich genug, um von seinen Volksgenossen verstanden zu werden, und doch allgemein genug, um nicht zur Unterlage einer AiX- {dage vor den Behörden zu dienen" 2), ist gänzlich unhaltbar. Ist es vorsichtig und unbestimmt ausgedrückt, wenn der Prophet den Sturz der babylonischen Götter mit den Worten verkündet: „Gestürzt ist Bei, es krümmt sich Nebo; ihre Bilder sind den wilden Tieren und dem Vieh preisgegeben" (46, i)? Ist 03 vorsichtig und unbestimmt ausgedrückt, wenn er die Eroberung Babels durch Cyrus mit den Worten schildert: „Versammelt euch alle und höret: wer unter ihnen hat solches verkündet: «Er, den der Ewige liebt, wird seinen Willen an Babel vollstrecken und seine Macht an den Chaldäern»" (48, i4)? Ist es vorsichtig und unbestimmt ausgedrückt, wenn er den unterdrückten Volksgenossen zuruft: „Ziehet fort aus Babel, eilet hinweg von den Chaldäern. Mit Jubelruf verkündet es und laßt es hören, traget es hin bis ans Ende der Erdel Sprechet: Erlöst hat der Ewige seinen Diener Jakob" (48, 20)? Ist es vorsichtig und unbestimmt ausgedrückt, wenn er ein langes Triumphlied anstimmt über den Untergang des babylonischen Reiches: „Steige hinab und setze dich in den Staub, jungfräuliche Tochter Babel! Setze dich auf die Erde ohne Thron, Tochter der Chaldäer! Denn nicht länger wird man dich die verweichlichte und verzärtelte nennen. Nimm die Mühle und mahle Mehl! Tue deinen Schleier ab, hebe die Schleppe auf! Entblöße den Schenkel, wate durch Ströme hindurch!" (47, 1—2)? Und nun schildert der Prophet in aller Ausführlichkeit, warum denn Babel den Untergang verdient. „Ich hatte meinem Volke gezürnt, mein Erbe entweiht und sie in deine Hand gegeben: du hast ihnen kein Erbarmen gewährt, selbst Greisen hast du dein sehr schweres Joch auferlegt. Du sprachst: für immer werde ich Herrin sein, so daß du dir dies nicht zu Herzen nahmst, nicht an das Ende dachtest" (47, 6—7). Das Triumphlied über Babels Untergang füllt das ganze 47- Kapitel. Wie kann man angesichts der angeführten Zitate ernstlich behaupten, der Prophet habe sich aus diplomati- 1) Das. S. 4«. 2) Das. S. 4i3. 588

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