Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1929)
- Article
- Der "Diener des Ewigen"
- Date
- 1929-02-01
- Page
- 587 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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- Isaiah 2× ep/1005097
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Der ,.Diener des Ewigen'* (Der „Goltesknecht") Kittel gibt zunächst zu, daß die kollektive Deutung „in neuerer Zeit, da sie die einfachste Lösung aller Schwierigkeiten darzubieten schien, vielfach zur Herrschaft gelangt" ist. Aber er meint, daß auch diese Deutung noch nicht das letzte Wort sei; die Frage werde sobald noch nicht zur Ruhe kommen. Und so stellt er nun die Theorie auf, unter dem „Diener des Ewigen" sei weder das Volk Israel zu verstehen, noch auch Jesus; vielmehr hätten wir uns unter ihm einen bedeutenden Zeitgenossen des zweiten Jesaja zu denken, mit dem der Prophet in engster persönlicher Beziehung gestanden habe. Dabei macht Kittel die Voraussetzung, der Gottesdiener sei „von Hause aus durchweg als eine ganz bestimmte konkrete Einzelperson gedacht, als ein Mensch von Fleisch und Blut wie alle andern". In dieser Voraussetzung aber zeigt sich die Schwäche des XitteLschen Standpunktes. Was fängt Kittel mit all den Stellen an, die klipp und klar von Israel als dem „Diener des Ewigen" sprechen? Ober diese Schwierigkeit geht er merkwürdigerweise stillschweigend hinweg. Nur an einer einzigen Stelle berührt er sie, und zwar an der Stelle Kap. 49, 3, wo er übersetzt: „Er sagte mir: «Du bist mein Knecht, durch den ich mich herrlich erweise»", während der Prophet doch sagt: „Du bist mein Diener, Israel, durch den ich mich herrlich erweise". Kittel läßt das Wort „Israel" einfach fort, indem er kurzerhand behauptet, „Israel" sei Zusatz. So springt selbst ein sonst so besonnener Forscher wie Kittel mit dem Bibeltext um. Es geht aber doch wirklich nicht an, eine Theorie aufzustellen und Worte, die sich der Theorie nicht anbequemen wollen, einfach zu streichen. Auf solche Art läßt sich natürlich alles beweisen. Nach Kittel ist der „Diener des Ewigen" „eine greifbare historisch« Person, ein großer Blutzeuge einer großen Sache".1) Dieser sei in Babylonien aufgetreten und habe, ohne jede Furcht vor der babylonischen Obrigkeit, den Juden mit unverblümten Worten die baldige Befreiung von dem Joch der Fremdherrschaft verkündet. Da habe die Obrigkeit mit Recht einen Aufwiegler in ihm erblickt, habe ihn ergriffen, gefoltert und mißhandelt und schließlich hingerichtet. Wie kommt es dann aber, daß den zweiten Jesaja, der doch das gleiche verkündet, nicht dasselbe Schicksal ereilt hat? Dieser Schwierigkeit sucht Kittel dadurch zu begegnen, daß er annimmt, der Prophet habe nie vor versammeltem Volk gesprochen — das allerdings hätte ihm gefährlich werden müssen —, sondern im kleinen, engen Kreis. Sein Beweis hierx) Das. S. 4i6. 40 587