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Der Morgen · 1929-02-01 · Heft 6 (Februar 1929) · p. 586

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Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 6 (Februar 1929)
Article
Der "Diener des Ewigen"
Date
1929-02-01
Page
586 (sequence 6)
Language
German
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Joseph. Norden zweifelhaft sei n, wer unter dem „Diener des Ewigen" zu verstehen ist? Kann es ferner für ihn auch nur einen Augenblick zweifelhaft sein, daß natürlich auch diejenigen Stellen unserer Kapitel, an denen vom Gottesdiener die Rede ist, ohne daß ausdrücklich der Name Jakob oder Israel wiederholt wird, daß auch diese Stellen nicht anders gedeutet werden können und dürfen? Stellen wie: „Siehe, mein Diener, den ich aufrecht erhalte, mein Erwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat" (42,1), „Ihr seid meine Zeugen, spricht der Ewige, und der Diener, den ich erwählt habe" (43, 10), „Siehe, mein Diener wird Erfolg haben; er wird sich erheben, wird erhöht werden und hoch erhaben sein" (52, i3), „Durch seine Erkenntnis wird er, der Rechtschaffene, mein Diener, den Vielen Gerechtigkeit schaffen" (53, 11): diese Stellen um einer Tendenz willen aus ihrem Zusammenhang gewaltsam herauszureißen und dem in den Sätzen erwähnten „Diener des Ewigen" eine individuelle Deutung zu geben, das wäre, um mit Wellhausen zu sprechen, eine Vermessenheit. Und so darf gesagt werden: Die individuelle Deutung des „Dieners des Ewigen" in den Kapiteln 4i bis 53 des Jesajabuches, wie das Neue Testament sie gegeben hat, kann wohl religionsgeschichtliches Interesse beanspruchen; sie gehört zu den Versuchen, Leben, Wirken und Sterben Jesu als in den Büchern des Alten Testaments geweissagt hinzustellen. Vom wissenschaftlichen Standpunkte jedoch ist die individuelle Deutung abzulehnen. Das wird freilich noch immer nicht allseitig anerkannt, so daß es auch heute nicht an christlichen Theologen fehlt, die der individuellen Deutung huldigen. Zu ihnen gehört auch Rudolf Kittel, der in seinem Buch „Gestalten und Gedanken in Israel" *) den „Diener des Ewigen" individuell deutet. Bei seiner Untersuchung hat sich übrigens Kittel in keiner Weise von dogmatischen Rücksichten leiten lassen. Als ehrlicher Mann der Wissenschaft ist sein einziges Streben, der Wahrheit auf den Grund zu kommen. Und wir glauben es ihm aufs Wort, wenn er sagt, seine Deutung sei das Ergebnis langjährigen Forschens, wie es sich ihm persönlich dargeboten hat. Eine andere Frage jedoch ist, ob seine Erklärung der Kritik standhält. Rudolf Kittel: Gestalten und Gedanken in Israel. Geschichte eines Volkes in Charakterbildern. Quelle & Meyer, Leipzig, 1925. 586

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