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Der Morgen · 1928-10-01 · Heft 4 (Oktober 1928) · p. 332

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 4 (Oktober 1928)
Article
Galuth
Date
1928-10-01
Page
332 (sequence 8)
Language
German
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Max Dienemann hat zu geschehen, was haben wir zu tun, aus unserem Bewegtsein von jüdischer Religiosität und zur Verwirklichung der jüdischen Idee? So ist es also einzig und allein unser seelisches Bedürfen, das uns zu unserer Stellungnahme drängt Aber dieses seelische Bedürfen entstammt einer bestimmten Auffassung des Judentums, nämlich der, daß das Judentum, obwohl einst hervorgegangen aus einer Nationalität, längst aufgehört hat, ein nationales Gebilde zu sein, daß die im Judentum verkörperten Gedanken und Erwartungen überall zu verwirklichen sind, und daß in der jüdischen Religiosität soviel Kräfte der Gemeinschaftsbildung und der Erhaltung liegen, daß es zu ihrer Erweckung und Sicherheit nicht der seelischen Richtung auf ein bestimmtes Land und der Verwurzelung in ihm bedarf. Wir empfinden (bei allem Wurzeln in der Geschichte und der Besonderheit Israels) das Judentum als Weltreligion, für die die Bindung an ein Land eine ihre Geschichte aufhebende Verengung wäre. Wie von ältesten Zeiten her stets und immer in dieser sogenannten Galuth religiös-schöpferische Kräfte walteten und von ihr in die Welt einströmten und sie durchdrangen, — die ganze jüdische Geschichte ist ja eine Kette von Beispielen dafür, — so war sie und ist sie in der Hinausführung Israels in die Weite der Welt ein vollgültiger Teil des lebendigen und Leben schaffenden Judentums. Wir vermögen auch die Richtigkeit der oft gehörten Rede nicht anzuerkennen, daß es nur in Erez Israel möglich sei, durch die Tat zu beweisen, wie die großen Fragen der Menschheit von der jüdischen Idee aus zu lösen sind, daß nur dort die sozialen Spannungen vom Judesein aus ausgeglichen werden können und die Wege gefunden werden können, um vom Judentum her zum sozialen Frieden zu kommen. Wie wenn es bei der Verflochtenheit der Weltwirtschaft und der Weltpolitik heute an irgendeiner Stelle der Welt noch ein isoliertes Staats- oder Wirtschafts- oder Volksgebilde geben könnte, innerhalb dessen man unabhängig und ohne Rücksichten experimentieren, könnte, wie wenn nicht die wirtschaftlichen Gesetze überall heute einen gleichen Zwang ausüben auf die, die sich zwingen lassen, und man nicht überall unter den gleichen Notwendigkeiten und Möglichkeiten stünde, also auch die Menschen überall da, wo sie es wollen, von ihrer Idee aus die Welt zu gestalten imstande wären. Ein bewußt vom Judentum her arbeitender Jude hat und muß den Willen haben, in seine Arbeit den Sceleninhalt zu fügen, mit dem ihn seine jüdische Religiosität erfüllt Daß es so selten geschieht ist nicht die Folge des Mangels an einem eigenen landschaftlich geschlossenen unabhängigen, jüdischen Leben, sondern der Mangel vieler Juden an Bewußtheit, ein Mangel, 332

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